{"id":2078,"date":"2018-11-27T03:00:41","date_gmt":"2018-11-27T02:00:41","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.saarphilatelie.com\/?p=2078"},"modified":"2024-10-06T21:07:57","modified_gmt":"2024-10-06T19:07:57","slug":"ein-alter-beleg-mit-lehren-fuer-heute","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archive.saarphila.de\/?p=2078","title":{"rendered":"Belege (III) &#8211; Entschl\u00fcsselung eines alten Belegs"},"content":{"rendered":"<p>Hallo<\/p>\n<p>Diesen Beitrag widme ich meiner Frau, die ich \u00fcber alles liebe.<\/p>\n<ul>\n<li>Ohne meine Frau w\u00e4re ich heute nicht derjenige, der ich bin.<\/li>\n<li>Ohne meine Frau w\u00e4re mein Leben sehr viel \u00e4rmer.<\/li>\n<li>Ohne meine Frau, ihr Verst\u00e4ndnis und ihre Unterst\u00fctzung w\u00fcrdet ihr diesen Beitrag gar nicht lesen k\u00f6nnen. Der <strong>Saarphila-Blog<\/strong> w\u00e4re wohl kaum ver\u00f6ffentlicht worden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Meine Frau wird morgen Ihren Geburtstag feiern \u2013 den wievielten verrate ich selbstverst\u00e4ndlich nicht \u2013 und ich werde alles daransetzen, dass sie diesen, ihren Tag geniessen wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">__________<\/p>\n<p>In diesem Beitrag m\u00f6chte ich euch einen \u2013 wie der Beitragstitel schon verr\u00e4t \u2013\u00a0alten Beleg vorstellen. Es handelt sich um einen Bedarfsbrief aus dem Jahr 1859, der von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ro\u00dfla\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>Rossla<\/strong><\/a> nach dem ca. 70 km \u00f6stlich gelegenen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Halle_(Saale)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>Halle an der Saale<\/strong><\/a> gelaufen ist. In diesem Brief geht es um einen Todesfall in der 1844 gegr\u00fcndeten, preussischen Provinzial-Irrenanstalt Halle-<strong><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nietleben\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Nietleben<\/a><\/strong> in Halle an der Saale, die den gr\u00e4flich <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Stolberg_(Adelsgeschlecht)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>Stolberg<\/strong><\/a>-Rosslaischen Polizei-Rath veranlasst, zwecks ordnungsgem\u00e4sser Abwicklung der Erbschaftsangelegenheit beim Direktor der Provinzial-Irrenanstalt brieflich ein Verzeichnis der pers\u00f6nlichen Hinterlassenschaften der Verblichenen anzufordern.<\/p>\n<p>Dieser Beleg ist bislang der \u00e4lteste meiner Sammlung und war aufgrund verschiedener Umst\u00e4nde \u2013 die ich im weiteren Verlauf des Beitrags auff\u00fchren werde \u2013 nicht einfach zu entschl\u00fcsseln. Mein tiefempfundener Dank geht an zwei liebe Mitstreiter aus einem Briefmarken-Forum auf Facebook. Sie halfen mir bei der Transkription aus der S\u00fctterlin-Schrift sowie bei der Zuordnung eines \u2013 mir v\u00f6llig unbekannten \u2013 Stempels auf der Siegelseite des Briefes. Ohne diese Hilfe w\u00fcrde ich bei dem Beleg immer noch \u2039wie ein dummer Ochs vorm Berg stehen\u203a. Eine Mitstreiterin m\u00f6chte nicht namentlich erw\u00e4hnt werden. Doch Stephan J\u00fcrgens kann ich meinen Dank direkt aussprechen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">__________<\/p>\n<p>Weshalb ver\u00f6ffentliche ich diesen Beitrag, der nicht viel mir den Briefmarkenausgaben <strong>Wappen und Dichter<\/strong> oder\u00a0<b>Berufe und Sehensw\u00fcrdigkeiten an der Saar <\/b>zu tun hat? Ich fand die komplexe Geschichte der Entschl\u00fcsselung dieses Beleges sehr lehrreich, denn diese beinhaltet drei wichtige Erkenntnisse:<\/p>\n<ul>\n<li>nicht bei der ersten Unstimmigkeit aufgeben; es gibt auch f\u00fcr vorderhand Unm\u00f6gliches eine Erkl\u00e4rung (der Beleg lag bei mir schon lange auf dem Pult)<\/li>\n<li>wenn man bei einer Recherche ansteht &#8230; Unterst\u00fctzung in Anspruch nehmen (Einzelk\u00e4mpfer sterben auch einsam)<\/li>\n<li>sich soweit m\u00f6glich in die Entstehungszeit des Beleges hineinversetzen und nicht alles aus unserer heutigen Sicht beurteilen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Hm &#8230; bislang keine Abbildung? Ich vergass, zu erw\u00e4hnen, dass ich euch in diesem Beitrag bloss\u00a0<strong>vier<\/strong> Abbildungen zeigen werde.<\/p>\n<p>Hier die erste Abbildung.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-2088 size-large\" src=\"https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/1-Vorderseite-1024x575.jpg\" alt=\"\" width=\"840\" height=\"472\" srcset=\"https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/1-Vorderseite-1024x575.jpg 1024w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/1-Vorderseite-300x168.jpg 300w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/1-Vorderseite-768x431.jpg 768w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/1-Vorderseite-1200x674.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 840px) 100vw, 840px\" \/><\/p>\n<p>So habe ich den Beleg aus einer 50 Eurocent <strong>W\u00fchlkiste<\/strong> gegriffen. Eine sehr saubere, klare Handschrift, die ich problemlos entziffern konnte.<\/p>\n<p>\u00abAn den k\u00f6niglichen Direktor Herrn Geheimen Medicinal=Rath Dr. Dammerow, Ritter [Pi Pi = Auslassungen f\u00fcr die komplette Titelaufz\u00e4hlung] Hochwohlgeboren &#8230; zu Halle a\/S. &#8230; He[rrschaftliche] Polizei=Sachen\u00bb<\/p>\n<p>Geht es euch gleich wie mir? Ich las Polizei-Sachen und meine Neugier war geweckt. Diebstahl, Raub, Mord, Totschlag? Was w\u00fcrde ich finden? Dazu noch eine wunderbar lesbare Abstempelung aus <strong>Rossla<\/strong>\u00a0vom 19. Dezember in der Stunde zwischen 5 und 6 Uhr. Ich hatte zwar &#8211; als ich da vor der W\u00fchlkiste stand &#8211; keinen blassen Schimmer, wo <strong>Rossla<\/strong> lag, aber sowas findet man in Zeiten von <a href=\"https:\/\/www.google.ch\/maps?hl=de&amp;tab=wl\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>Google Maps<\/strong><\/a> und <a href=\"https:\/\/maps.me\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>Maps.me<\/strong><\/a> ja rasch heraus. Noch weniger klar war mir, in welchem Jahr der Beleg von <strong>Rossla<\/strong> nach Halle gelaufen war, denn der Stempel auf dem Umschlag wies zwar ein Datum, jedoch keine Jahreszahl auf.<\/p>\n<p>Doch zuerst habe ich den Beleg einmal umgedreht. Das war doch mal ein sch\u00f6ner Anblick. Ein wachsgesiegelter Brief.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-2090 size-large\" src=\"https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/2-Siegelseite-1024x571.jpg\" alt=\"\" width=\"840\" height=\"468\" srcset=\"https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/2-Siegelseite-1024x571.jpg 1024w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/2-Siegelseite-300x167.jpg 300w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/2-Siegelseite-768x429.jpg 768w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/2-Siegelseite-1200x670.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 840px) 100vw, 840px\" \/><\/p>\n<p>Das Siegel war zwar erbrochen, aber \u00e4usserst detailreich erhalten. Da kenne ich ganz andere Erhaltungsarten. Ich war zwar hinsichtlich Ortschaft und Laufjahr nicht kl\u00fcger geworden, aber meine Hand ging in den Hosensack &#8230; 50 Eurocent &#8230; der Beleg wechselte seinen Besitzer. Ein Bauchentscheid.<\/p>\n<p>Der Beleg war kompliziert gefaltet und landete erst einmal in der Ablage auf meinem Pult. Immer wieder einmal in die Hand genommen, besch\u00e4ftigten mich die Fragen: \u00abWie kann ich den Beleg auseinanderfalten, ohne diesen \u00fcberm\u00e4ssig weiter zu besch\u00e4digen? Wie kann ich verhindern, dass das Siegel komplett zerbricht?\u00bb<\/p>\n<p>Ich bez\u00e4hmte meine Neugier betreffend des Inhalts und fertigte erst einmal hochaufl\u00f6sende Scans von Adress- und Siegelseite an. Dokumentiert ist dokumentiert! Danach landete der Beleg erst einmal wieder in der Ablage. Abgehakt! \u00abWeshalb hatte ich den Beleg nochmal erstanden? Was hat mich damals getrieben?\u00bb Der Sommer war sch\u00f6n und da waren Tausend andere Dinge, die pl\u00f6tzlich wichtiger waren. F\u00fcr einen angefressenen Philatelisten v\u00f6llig unverst\u00e4ndlich \u2014\u00a0das ist mir bewusst.<\/p>\n<p>Vor einigen Tagen habe ich realisiert, dass ich bei diesem Beleg nie weiterkommen w\u00fcrde, wenn ich diesen nicht \u00f6ffnete und den Inhalt dokumentierte. Gesagt, getan! Ich habe den gefalteten Brief vorsichtig auseinandergenommen &#8230; et voil\u00e0:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-2097 size-large\" src=\"https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/3-Briefinhalt-727x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"727\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/3-Briefinhalt-727x1024.jpg 727w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/3-Briefinhalt-213x300.jpg 213w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/3-Briefinhalt-768x1081.jpg 768w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/3-Briefinhalt-1200x1690.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 727px) 100vw, 727px\" \/><\/p>\n<p>Ich war platt! Eine gestochene Handschrift auf der Adress-Seite und hier &#8230;? Ausser dem Titel, den Ziffern und dem Datum \u2039December 1859\u203a konnte ich nicht viel entziffern. Nach einem zweiten Blick war mir klar: \u00abIch brauche Unterst\u00fctzung!\u00bb Unterst\u00fctzung nicht allein bei der Transkription. Nein, auch der Stempel auf der Siegelseite des Beleges war mir v\u00f6llig fremd. Ein Eingangsstempel konnte \u2039Ausg\u203a wohl nicht sein. Ein zus\u00e4tzlicher Stempel aus <strong>Rossla<\/strong>? Wozu? Der war ja \u2013 wie wir es heute immer noch kennen \u2013\u00a0auf der Adressseite aufgebracht worden.<\/p>\n<p>W\u00fcrde mich der Inhalt bei der Entschl\u00fcsselung des Beleges weiterbringen? Hier musste wegen der Handschrift (s.o.) eine Spezialistin herangezogen werden. Mir wurde sofort klar, an wen ich mich wenden w\u00fcrde. \u00a0An einen tollen und hilfsbereiten Menschen, bei welchem ich mich sehr gl\u00fccklich sch\u00e4tze, diesen in meinem Bekanntenkreis zu wissen.<\/p>\n<p>Innerhalb weniger Stunden lag die Transkription auf meinem Pult, besser gesagt in meinem Mac:<\/p>\n<p>\u00abVerzeichniss der von der verstorbenen geisteskranken Frie=derike Werther hinterlegtenen Effecten.<\/p>\n<ul>\n<li>ein Obersack<\/li>\n<li>ein wattirter Untersack<\/li>\n<li>ein weisser Untersack<\/li>\n<li>eine Mantille<\/li>\n<li>ein Paar Stiefelchen<\/li>\n<li>ein Umlegetuch<\/li>\n<li>ein Paar Hausschuhe und<\/li>\n<li>ein Kragen<\/li>\n<\/ul>\n<p>P.I. Anstalt bei Halle den 22. December 1859\u00bb<\/p>\n<p>Das war ein toller Anfang. Was mir jedoch Kopfschmerzen bereitete, war die Datierung des \u2039Verzeichniss\u203a zu Halle an der Saale am <strong>22. December 1859<\/strong>.<\/p>\n<p>Das ergab f\u00fcr mich gar keinen Sinn! Ein Schreiben, dass am <strong>19. Dezember<\/strong> in <strong>Rossla<\/strong> abgeschlagen nach Halle an der Saale gesendet wird, enth\u00e4lt eine Aufstellung der Habseligkeiten einer Verstorbenen, welche am <strong>22. Dezember<\/strong> in Halle an der Saale angefertigt wurde. Die Kausalit\u00e4t war auf den Kopf gestellt.<\/p>\n<p>Ich wusste nicht mehr weiter. Da war der Stempel auf der Siegelseite des Briefes, der mir nichts sagte. Ich habe einen Scan des Stempels in dem Facebook-Forum Whatsbriefmarken.de<strong>\u00a0<\/strong>eingestellt, mit der Bitte um Unterst\u00fctzung bei der Identifikation. Innerhalb kurzer Zeit die Antwort von Stephan J\u00fcrgens. Zitat:<\/p>\n<blockquote><p>AUSG. ist die Abkz. f\u00fcr AUSGABE, dies ist ein sogenannter <strong>Ausgabestempel<\/strong>, gibt es in vielen preussischen (und sp\u00e4ter reichsdeutschen) St\u00e4dten, in denen es mehr als einen Bestellgang der Brieftr\u00e4ger gab. Sie wurden anstelle der Ortstagesstempel verwendet, die normalerweise die Ankunft des Briefes <strong>anzeigen<\/strong>. Die N 1 gibt den Bestellgang an.<\/p><\/blockquote>\n<p>In diesem Moment machte es bei mir nicht einmal, sondern gleich zweimal \u2039klick\u203a. Einerseits wusste ich nun, dass der Beleg tats\u00e4chlich von <strong>Rossla<\/strong> nach dem preussischen\u00a0<strong>Halle an der Saale<\/strong> gelaufen war und dort auch mit dem Bestellgang <strong>N 1<\/strong> ausgeliefert worden war. Andererseits brachte mich die Information dazu, den Gesamtbeleg neu zu begutachten.<\/p>\n<p>Als erstes versuchte ich den Adressaten zu verifizieren. Das ging erstaunlich rasch. Adressat war der Geheime Medizinalrat Prof. Dr. med. Heinrich Philipp August Damerow (28. Dezember 1798-22. September 1866), seit der Er\u00f6ffnung der Provinzial-Irrenanstalt <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Provinzial-Irrenanstalt_Halle-Nietleben\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>Halle-Nietleben<\/strong><\/a> am 1. November 1844 bis zu seinem Tod Direktor und Chefarzt dieser Institution.<\/p>\n<p>Nun ging es an die Identifikation des Absenders. Das ging nur \u00fcber das Siegel und den Einsatz des Mikroskops sowie Streiflicht. Das Ergebnis:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-2106 size-large\" src=\"https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Siegel-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"840\" height=\"630\" srcset=\"https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Siegel-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Siegel-300x225.jpg 300w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Siegel-768x576.jpg 768w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Siegel-1200x900.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 840px) 100vw, 840px\" \/><\/p>\n<p>Die vollst\u00e4ndige Umschrift lautet:\u00a0<strong>Gr\u00e4f. Stolberg.Rosslaischer Polizei-Rath<\/strong><\/p>\n<p>Das Siegel enth\u00e4lt auch das Wappen derer von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Stolberg_(Adelsgeschlecht)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>Stolberg<\/strong><\/a>-Rossla<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-2107 size-full\" src=\"https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Stolberg-Wappen.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"240\" \/><\/p>\n<p>Nun ging es darum, herauszufinden, weshalb die Daten inkongruent waren. Einen entscheidenden Hinweis lieferte mir meine sehr gesch\u00e4tzte Kollegin mit dem Hinweis, dass das Verzeichnis von einem <strong>Oeconom<\/strong> unterzeichnet sei. Ein Oeconom oder Factotum war ein Bewirtschafter, Hauswart oder neudeutsch Manager. In diesem Fall der Manager der Provinzial-Irrenanstalt.<\/p>\n<p>Der zweite Hinweis war mir zuvor schon aufgefallen, aber nicht mehr bewusst. Die Handschriften auf der Vorderseite des Schreibens und auf der Innenseite des Papiers unterschieden sich auff\u00e4llig voneinander. Die Schrift auf der Vorderseite war die gestochen klare Schrift eines gebildeten Mannes, der seine Schreiben so sorgf\u00e4ltig siegelte, dass das Siegel heute noch musterg\u00fcltig erhalten ist.\u00a0Die Handschrift auf der Innenseite des Schreibens ist dagegen eher fahrig und schwer lesbar &#8211; daher ben\u00f6tigte und erhielt ich ja Unterst\u00fctzung. Hier hatten zwei verschiedene Personen geschrieben.<\/p>\n<p><strong>Des R\u00e4tsels L\u00f6sung<\/strong>:<\/p>\n<p>In der k\u00f6niglichen Provinzial-Irrenanstalt in Halle-Nietleben verstirbt die Insassin Friederike Werther. Der Todesfall wird an ihren letzten Wohnsitz, resp. ihren Geburtsort, <strong>Rossla<\/strong> gemeldet. In <strong>Rossla<\/strong> verfasst der zust\u00e4ndige <strong>Polizei-Rath<\/strong> ein Schreiben in \u2039herrschaftlichen Polizei=Sachen\u203a an den Direktor der k\u00f6niglichen Provinzial-Irrenanstalt in Halle-Nietleben, Prof. Dr. med. <strong>Damerow<\/strong>. Der Grund? Er ben\u00f6tigt ein Verzeichnis \u00fcber die Hinterlassenschaft der Verblichenen, um deren Nachlass ordnungsgem\u00e4ss zu regeln. Dieses Schreiben an Prof. Dr. med. <strong>Damerow<\/strong> muss im Umschlag gesteckt haben, ist uns jedoch nicht \u00fcberliefert. Prof. Dr. med. <strong>Damerow<\/strong> in seiner Funktion als Anstalts-Direktor beauftragt den \u2039Oeconomen\u203a der Anstalt mit der Erstellung des Verzeichnisses. Dieser \u2013 sparsam wie er ist \u2013\u00a0verwendet den Umschlag der Anforderung des Polizei-Raths, das Schreiben selbst landet ja in den Akten, zur Erstellung des nicht sehr umfangreichen Verzeichnisses. Wie das Verzeichnis der Hinterlassenschaft der verstorbenen Friederike Werther schliesslich nach <strong>Rossla<\/strong>\u00a0gelangte und von dort schlussendlich in meine H\u00e4nde gekommen ist &#8230; um diese Fragen zu beantworten, braucht es mehr Fakten als der Beleg beinhaltet.<\/p>\n<p>Bis dann<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">__________<\/p>\n<p>Folgt mir auf <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/SaarPhilatelist\"><b>Facebook<\/b><\/a> und ihr seid immer auf dem Laufenden.<\/p>\n<p><b>#saarphila #saarphilatelie<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hallo Diesen Beitrag widme ich meiner Frau, die ich \u00fcber alles liebe. Ohne meine Frau w\u00e4re ich heute nicht derjenige, der ich bin. Ohne meine Frau w\u00e4re mein Leben sehr viel \u00e4rmer. Ohne meine Frau, ihr Verst\u00e4ndnis und ihre Unterst\u00fctzung w\u00fcrdet ihr diesen Beitrag gar nicht lesen k\u00f6nnen. 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