{"id":2230,"date":"2018-12-13T03:00:11","date_gmt":"2018-12-13T02:00:11","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.saarphilatelie.com\/?p=2230"},"modified":"2024-10-06T20:53:27","modified_gmt":"2024-10-06T18:53:27","slug":"geschichte-des-saarlandes-ein-ueberblick-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archive.saarphila.de\/?p=2230","title":{"rendered":"Geschichte des Saarlandes &#8211; Ein \u00dcberblick (II)"},"content":{"rendered":"<p>Hallo<\/p>\n<p>Im letzten <a href=\"https:\/\/archive.saarphila.de\/?p=2175\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>Beitrag<\/strong><\/a>\u00a0haben wir die historisch korrekte Zuordnung der nach Ende des Zweiten Weltkriegs f\u00fcr das Saarland ausgegebenen Briefmarken behandelt. Es gibt f\u00fcr den Zeitraum von 1946-1959 franz\u00f6sische, saarl\u00e4ndische und deutsche Briefmarkenausgaben.<\/p>\n<p>Meine <strong>Geschichte des Saarlandes<\/strong> ist philatelistisch gepr\u00e4gt, wobei die Schwerpunkte der Darstellung auf der Zeit des <strong>Saargebiets 1920-1935<\/strong> und der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg <strong>1945-1959<\/strong> liegen. Historiker werden die vielen Vereinfachungen und Auslassungen dieser Darstellung monieren. Ihnen sei gesagt, ich m\u00f6chte ihren vielseitigen Werken an dieser Stelle keine Konkurrenz machen. Mein Zielpublikum ist nicht der Historiker, sondern der Briefmarkensammler.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">__________<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Geschichte des Saarlandes<\/strong><\/p>\n<p>Ich versuche, in den nachfolgenden Abs\u00e4tzen die <strong>Geschichte des Saarlandes<\/strong> mit wenigen S\u00e4tzen darzustellen. Etwas, was der Geschichtswissenschaftler einen Abriss nennt. Den Fokus dieser nicht\u00a0durchgehend ernst gemeinten Darstellung &#8211; Humor macht das Lernen wie das Leben nicht einfacher, aber lustiger &#8211; lege ich auf die neueste Geschichte. F\u00fcr das weitergehende Studium empfehle ich\u00a0<a href=\"https:\/\/www.chbeck.de\/behringer-clemens-geschichte-saarlandes\/product\/26087\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>Geschichte des Saarlandes<\/strong><\/a>\u00a0(<strong>1<\/strong>) aus der Reihe Wissen des renommierten Verlages C.H. Beck. Hier findet der Leser auch reichlich Literaturhinweise zur weiteren Vertiefung des Themas. Eine weitere interessante Quelle zur Geschichte des Saarlandes sind die <strong><a href=\"https:\/\/www.edition-schaumberg.de\/saargeschichten\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">saargeschichte|n<\/a><\/strong>, ein viertelj\u00e4hrlich erscheinendes\u00a0historisches Magazin f\u00fcr das <strong>Saarland<\/strong> und die angrenzenden Regionen. Es wird herausgegeben vom Landesverband der historisch-kulturellen Vereine des Saarlandes sowie vom Historischen Verein f\u00fcr die Saargegend.<\/p>\n<p><strong>Vorgeschichte<\/strong>: Regionen, die klimatisch g\u00fcnstig gelegen sind, die gute B\u00f6den, ausreichend Wasser in Form von Seen, B\u00e4chen und Fl\u00fcssen (Transport, Energiequelle) und Rohstoffe wie Holz, Kupfer, Eisen, Kohle aufweisen, sind seit jeher bevorzugte Siedlungsgebiete des Menschen. Es ist daher wenig verwunderlich, dass das Gebiet des heutigen Saarlandes schon vor \u00fcber 300&#8217;000 Jahren von Menschen durchstreift wurde.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2282\" aria-describedby=\"caption-attachment-2282\" style=\"width: 270px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2282\" src=\"https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Fred.png\" alt=\"\" width=\"270\" height=\"270\" srcset=\"https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Fred.png 300w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Fred-150x150.png 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 270px) 100vw, 270px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2282\" class=\"wp-caption-text\">Fred &amp; Barney; Urheber: J. Barbera, W. Hanna<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Stein- und Bronzezeit<\/strong>: In der Jungsteinzeit wurden die Menschen im \u2039Saarland\u203a mit der Zeit sesshaft. Die reiche Auswahl an Funden in saarl\u00e4ndischen Museen zeugt von einer dichten Besiedlung des Raums zwischen Blies, Saar und Mosel. Auch die Schwerindustrie ist schon lange im Saarland ans\u00e4ssig. Eine Kupfermine bei St. Barbara, Wallerfangen wird auf das 2. Jahrtausend v. u Z. datiert. Bronzewerkzeug und Schmuck aus derselben Epoche zeugen von einer regen Metallindustrie.<\/p>\n<p><strong>1. Jahrtausend v. u. Z.<\/strong>: Die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kelten\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>Kelten<\/strong><\/a> haben im Saarland nicht nur eindrucksvolle \u2039Oppida\u203a hinterlassen, sondern im 1. Jahrtausend v. u. Z. schon weitreichenden Handel vom Baltikum bis zum Mittelmeer getrieben.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2223\" aria-describedby=\"caption-attachment-2223\" style=\"width: 221px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2223 size-full\" src=\"https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Caesar.gif\" alt=\"\" width=\"221\" height=\"260\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2223\" class=\"wp-caption-text\">G. I. Caesar; Urheber: Albert Uderzo<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>100 v.u.Z. &#8211; 400 u.Z.<\/strong>: Die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/R\u00f6misches_Reich\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>R\u00f6mer<\/strong><\/a> kommen mit Gaius Julius Caesar nach Gallien resp. nach dessen Aufteilung unter Kaiser Augustus in die Region\u00a0<strong>Gallia Belgica<\/strong>, zu dem auch die Region an der Saar geh\u00f6rt. Auf dem Gebiet des heutigen Saarlands finden sich viele Zeugnisse r\u00f6mischer Kultur, beispielsweise die Strassen von Metz nach Trier und Metz nach Mainz (auf diesen Strassen d\u00fcrfte viel Post transportiert worden sein), die <a href=\"http:\/\/www.villa-borg.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>Villa Borg<\/strong><\/a> oder die Ausgrabungen im <strong><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Europ\u00e4ischer_Kulturpark_Bliesbruck-Reinheim\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Europ\u00e4ischen Kulturpark<\/a><\/strong>\u00a0bei Bliesbruck. Eine wichtige r\u00f6mische Gr\u00fcndung ist die Stadt Trier an der Mosel, benannt nach dem keltischen Stamm der Treverer. Trier ist zwischen 286 und 395 unserer Zeitrechnung kaiserliche Residenz und eine Hauptstadt des R\u00f6mischen Reiches. So nah am Puls der Welt sind die Saarl\u00e4nder vorher und nachher nie wieder.<\/p>\n<p><strong>Um 600<\/strong>: Nach dem Untergang des r\u00f6mischen Reiches und dem Verschwinden der r\u00f6mischen Verwaltungsordnung tritt schon bald eine christliche Di\u00f6zesanordnung an deren Stelle. Bekannte Missionare in der Saarregion sind Walfroy, Ingobert (St. Ingbert), <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wendelin\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>Wendelin<\/strong><\/a> (St. Wendel), ein bekannter Bischof des Fr\u00fchmittelalters der Bischof <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Liutwin_(Trier)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>Liutwin<\/strong><\/a> (Abtei und Alter Turm, Mettlach).<\/p>\n<p><strong>800 &#8211; 1750<\/strong>: Ich m\u00f6chte die Leser nicht mit der wechselvollen und extrem un\u00fcbersichtlichen Geschichte der Saarregion im weiteren Verlauf des Mittelalters und der fr\u00fchen Neuzeit langweilen. So viel sei gesagt: Das Land an Saar, Blies und Mosel befindet sich am Vorabend der franz\u00f6sischen Revolution &#8211; der Zeit des Absolutismus <strong>l&#8217;etat c&#8217;est moi<\/strong> &#8211; am Rande des K\u00f6nigreichs Frankreich, der einflussreichsten kontinentaleurop\u00e4ischen Grossmacht des 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2297\" aria-describedby=\"caption-attachment-2297\" style=\"width: 720px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2297 size-full\" src=\"https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Louis-XIV.jpg\" alt=\"\" width=\"720\" height=\"480\" srcset=\"https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Louis-XIV.jpg 720w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Louis-XIV-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 720px) 100vw, 720px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2297\" class=\"wp-caption-text\">Louis XIV.; Hyacinthe Rigaud (1701)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das Saarland ist zu der Zeit jedoch keine territoriale Einheit, sondern ist in kleine und kleinste Herrschaften aufgeteilt. Das ist in dieser Zeit generell nicht ungew\u00f6hnlich.<\/p>\n<p>Europa ist zwischen der Grenze des K\u00f6nigreichs <strong>D\u00e4nemark<\/strong> im Norden, bis zum K\u00f6nigreich <strong>Sizilien<\/strong> im S\u00fcden, vom zaristischen <strong>Russland<\/strong>\u00a0im Osten und dem K\u00f6nigreich <strong>Frankreich<\/strong> im Westen in zeitweise ca. <strong>600<\/strong>\u00a0gr\u00f6ssere, kleine und kleinste Herrschaften unterteilt. Viele dieser europ\u00e4ischen Herrschaften befinden sich gleichzeitig innerhalb der wechselnden Grenzen des feudal strukturierten <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Heiliges_R\u00f6misches_Reich\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>Heiligen R\u00f6mischen Reichs<\/strong><\/a> (HRR, seit 1512 inoffiziell mit dem Zusatz \u2039deutscher Nation\u203a), unter der Herrschaft eines Kaisers, der meist aus dem Hause Habsburg stammt. Seit 1495 geh\u00f6ren die im Saarland befindlichen Gebiete Nassau-Saarbr\u00fcckens und Pfalz-Zweibr\u00fcckens zum <strong><a title=\"Oberrheinischer Reichskreis\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Oberrheinischer_Reichskreis\">Oberrheinischen Reichskreis<\/a><\/strong>. Die saarl\u00e4ndischen Territorien Kurtriers und Luxemburgs sind dem <strong><a title=\"Burgundischer Reichskreis\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Burgundischer_Reichskreis\">Burgundischen Reichskreis<\/a><\/strong> zugeteilt. Das saarl\u00e4ndische Reichsdorf Michelbach, die saarl\u00e4ndischen Reichsritterschaften und Reichsherrschaften sowie das Domkapitel Trier geh\u00f6ren keinem Reichskreis an. Das Heilige R\u00f6mische Reich d\u00fcrfen wir uns nicht als Staat nach heutigem Verst\u00e4ndnis vorstellen, es ist nur wenig mehr als ein gemeinsamer Rechtsrahmen vieler oftmals sogar souver\u00e4ner und vehement auf ihre Souver\u00e4nit\u00e4t pochender Reichs-Herrschaften. Auch der inoffizielle Namenszusatz \u2039deutscher Nation\u203a f\u00fchrt schnell in die Irre. Mit dem uns heute bekannten Deutschland hat das n\u00e4mlich gar nichts zu tun. Der Namenszusatz soll den Zeitgenossen nur vor Augen halten, dass das HRR zum gr\u00f6ssten Teil aus Gebieten besteht, in welchen im allerweitesten Sinne deutsch gef\u00e4rbte Dialekte gesprochen werden.<\/p>\n<p>Ein Deutschland sucht man zu dieser Zeit vergeblich auf Landkarten und es existiert auch in den K\u00f6pfen der Zeitgenossen nicht. Selbst der Spruch: \u00abein Bayer ist ein Bayer und ein Preuss ein Preuss\u00bb, trifft \u2013 noch \u2013\u00a0nicht zu.<\/p>\n<p>Denn ein Franke versteht sich schon damals nicht als Bayer &#8230;<\/p>\n<figure id=\"attachment_2203\" aria-describedby=\"caption-attachment-2203\" style=\"width: 254px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2203\" src=\"https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Unknown.png\" alt=\"\" width=\"254\" height=\"254\" srcset=\"https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Unknown.png 225w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Unknown-150x150.png 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 254px) 100vw, 254px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2203\" class=\"wp-caption-text\">Urheber: Spreadshirt<\/figcaption><\/figure>\n<p>&#8230;\u00a0und ein Ostfriese nicht als Preusse.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2201\" aria-describedby=\"caption-attachment-2201\" style=\"width: 254px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2201 size-full\" src=\"https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Unknown.jpg\" alt=\"\" width=\"254\" height=\"198\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2201\" class=\"wp-caption-text\">Urheber: Otto Waalkes<\/figcaption><\/figure>\n<p>Es sollte noch bis ins 19. Jahrhundert dauern, bevor Deutschland von Denkern der Romantik als <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deutschland._Ein_Winterm\u00e4rchen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>Idee<\/strong><\/a> geboren und als M\u00f6glichkeit gedacht wird. Selbst dann ben\u00f6tigt es einige Kriege, bis so etwas wie Deutschland \u2013 bis 1918 immer noch aus diversen K\u00f6nigreichen, Herzogt\u00fcmern, F\u00fcrstenh\u00e4usern bestehend \u2013\u00a0aufgrund des unb\u00e4ndigen Machtwillens eines einzelnen Politikers auf einer Landkarte erscheint. Eine bis heute nicht nur f\u00fcr den europ\u00e4ischen Kontinent und Aber-Millionen von Menschen fatale, weil nicht nur kriegerische, sondern alles milit\u00e4rische verherrlichende Entwicklung, welche die friedliche Entwicklung der Saarregion gleich in mehrfacher Hinsicht hemmen wird.<\/p>\n<p>Uns ist heute klar, dass die Saarregion in der Ausdehnung des heutigen Saarlandes nicht gerade gross ist \u2013 etwas der Saarl\u00e4nder jedoch verst\u00e4ndlicherweise anders empfindet. Durch die diversen Herrschaftsgebiete wird dieser ohnehin kleine Raum zus\u00e4tzlich zersplittert, was die Mobilit\u00e4t, den Postverkehr, den Warenaustausch, den Handel und die \u2013 sicherlich nicht ausschliesslich positiv zu beurteilende \u2013\u00a0Industrialisierung der Region massiv erschwert. Ich f\u00fcge eine Aufz\u00e4hlung der verschiedenen Herrschaften im Gebiet des Saarlandes um das <strong>Jahr 1780<\/strong> an und hoffe, keine \u00fcbersehen zu haben:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Domkapitel\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>Domkapitel<\/strong><\/a> Trier<\/li>\n<li>Grafschaft Nassau-Saarbr\u00fccken<\/li>\n<li>Grafschaft Saarwerden (Teil der Gft. Nassau-Saarbr\u00fccken)<\/li>\n<li>Herrschaft Blieskastel<\/li>\n<li>Herrschaft Dagstuhl, bestehend aus\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Blutgerichtsbarkeit\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>Hochgericht<\/strong><\/a> Neunkirchen<\/li>\n<li>Hochgericht Primsweiler<\/li>\n<li>Hochgericht Schwarzenberg<\/li>\n<li>Hochgericht Wadern<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li>Herrschaft Eberswald (S\u00f6tern)<\/li>\n<li>Herrschaft H\u00fcttersdorf (Ritterkanton Niederrhein)<\/li>\n<li>Herrschaft Illingen\u00a0(Ritterkanton Niederrhein)<\/li>\n<li>Herrschaft M\u00fcnchweiler\u00a0(Ritterkanton Niederrhein)<\/li>\n<li>Herrschaft Oberkirchen (Ritter von der Leyen)<\/li>\n<li>Herrschaft Saarwellingen (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Grafschaft_Ostfriesland\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>Grafschaft Ostfriesland<\/strong><\/a>)<\/li>\n<li>Herrschaft Schwarzenholz<\/li>\n<li>Hochgericht Nalbacher Tal<\/li>\n<li>Hochstift Trier<\/li>\n<li>Herzogtum <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Geschichte_Luxemburgs#Herzogtum\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>Luxemburg<\/strong><\/a><\/li>\n<li>Herzogtum Pfalz-Zweibr\u00fccken (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wittelsbach\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>Wittelsbacher<\/strong><\/a>; Herzog <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Karl_XI._(Schweden)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>Karl I.<\/strong><\/a>, als Karl XI. K\u00f6nig von <strong>Schweden<\/strong>)<\/li>\n<li>K\u00f6nigreich <strong>Frankreich<\/strong><\/li>\n<li>Reichsdorf Michelbach<\/li>\n<li>Vierherrschaft Lebach (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kondominium\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>Kondomium<\/strong><\/a>)<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Postwesen<\/strong>: Die Postbef\u00f6rderung war gr\u00f6sstenteils in der Hand des Hauses <strong><a title=\"Thurn und Taxis\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Thurn_und_Taxis\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Thurn und Taxis<\/a><\/strong>, resp. der franz\u00f6sischen Post. Es bestanden die nachstehenden Poststationen:<\/p>\n<ul>\n<li>Homburg (1739)<\/li>\n<li>Saarbr\u00fccken (1742)<\/li>\n<li>Saarlouis (franz\u00f6sische Post)<\/li>\n<li>St. Ingbert (bis 1763) danach Rohrbach<\/li>\n<li>Blieskastel (1788)<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>1789<\/strong>: Revolution! Die <strong>Franz\u00f6sischen Revolution<\/strong>\u00a0bricht sich Bahn, auch im Saarland (<strong>2<\/strong>). Diese revolution\u00e4re Bewegung und die sich daran anschliessende <strong>Napoleonische Zeit<\/strong>\u00a0(Konsulat und Kaiserreich) w\u00fcrden den europ\u00e4ischen Kontinent liberalisieren sowie territorial neu ordnen wie es zuvor nur Alexander dem Grossen in Griechenland, Kleinasien, \u00c4gypten und den L\u00e4ndern am Hindukusch gelungen war.<\/p>\n<p><strong>1794<\/strong>: Die franz\u00f6sische Revolutionsarmee hat die gesamten linksrheinischen Territorien besetzt (<strong>3<\/strong>). Das gesamte Gebiet von Basel bis Kleve wird in die Republik Frankreich eingegliedert. Das gesamte Saarland \u2013\u00a0seit <strong>1798<\/strong> bis auf das im <strong><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/D\u00e9partement_du_Mont-Tonnerre\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Departement du\u00a0Mont Tonnere<\/a>\u00a0<\/strong>gelegene Homburg\u00a0Teil des\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/D\u00e9partement_de_la_Sarre\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>D\u00e9partement de la Sarre<\/strong><\/a> \u2013 kommt somit fr\u00fchzeitig in den Genuss von Freiheit sowie der Gleichheit aller B\u00fcrger vor dem Recht, symbolisiert durch die Einf\u00fchrung des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Code_civil\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>Code Civil<\/strong><\/a> sowie der anderen vier Gesetzb\u00fccher. Mit einem Schlag entfallen Feudallasten wie Frondienst, aber auch der Zehnte sowie aufgrund der Gewerbefreiheit die Zunftordnungen.<\/p>\n<p>Hauptort des <strong>D\u00e9partements de la Sarre<\/strong>\u00a0ist Trier. Saarbr\u00fccken erh\u00e4lt 1800 den Sitz einer Unterpr\u00e4fektur des gleichnamigen Arrondissements, bestehend aus den Kantonen (<strong>4<\/strong>) Arnual, Blieskastel, Lebach, Ottweiler und St. Wendel. Geistlicher \u2013 bspw. Abtei Wadgassen, Stift Sebastian oder Abtei Mettlach \u2013\u00a0und adeliger Besitz werden enteignet und als Nationalg\u00fcter versteigert. Die <strong>Gebr\u00fcder Stumm<\/strong>, bereits Besitzer der Abentheurer- und der Asbacherh\u00fctte, bilden in dieser Zeit durch den Erwerb von H\u00fcttenwerken und Schmelz\u00f6fen im Saarbecken die Grundlage f\u00fcr den sp\u00e4teren Montankonzern.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2224\" aria-describedby=\"caption-attachment-2224\" style=\"width: 840px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2224 size-large\" src=\"https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Jacques-Louis_David_007-871x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"840\" height=\"988\" srcset=\"https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Jacques-Louis_David_007-871x1024.jpg 871w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Jacques-Louis_David_007-255x300.jpg 255w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Jacques-Louis_David_007-768x903.jpg 768w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Jacques-Louis_David_007-1200x1411.jpg 1200w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Jacques-Louis_David_007.jpg 2024w\" sizes=\"auto, (max-width: 840px) 100vw, 840px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2224\" class=\"wp-caption-text\">Napol\u00e9on Bonaparte bei der \u00dcberquerung des Grossen St. Bernhard; Jaques-Louis David (1800)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>1803<\/strong>: Durch die Verabschiedung des Reichsdeputationshauptschlusses verringert sich die Anzahl Herrschaften durch S\u00e4kularisation und Mediation massiv. Von ehemals 51 freien Reichsst\u00e4dten bleiben beispielsweise ganze vier (!) \u00fcbrig. Die Territorien der aufgel\u00f6sten Herrschaften werden unter den angrenzenden F\u00fcrstent\u00fcmern verteilt. F\u00fcrsten, die\u00a0<strong>Napol\u00e9on<\/strong>\u00a0unterst\u00fctzen oder diesem nicht im Wege stehen, erhalten Territorien und werden auch im Rang erh\u00f6ht (aus einem Kurf\u00fcrsten wird dann ein K\u00f6nig, aus einem Grafen ein Grossherzog etc.). Wer dagegen <strong>Napol\u00e9on<\/strong>\u00a0bek\u00e4mpft, wird erniedrigt.<\/p>\n<p><strong>1815 -1864<\/strong>: Nach der Niederlage <strong>Napol\u00e9ons<\/strong>\u00a01815 setzt mit dem Wiener Kongress die Restauration, die Wiederherstellung der feudal-st\u00e4ndischen Ordnung ein. In Wien wird monatelang &#8211; unterbrochen von der kurzen R\u00fcckkehr <strong>Napol\u00e9ons<\/strong> &#8211; nicht nur gehurt und getanzt, sondern in erster Linie um Territorien, Eink\u00fcnfte und Einfluss geschachert. Dieses Geschacher hat auch territoriale Auswirkungen auf die Region an der Saar, welche unter zwei K\u00f6nigreichen und zwei Herzogt\u00fcmern aufgeteilt wird. Der gr\u00f6sste Anteil des heutigen Saarlands geht an das\u00a0<strong>K\u00f6nigreich Preussen<\/strong>\u00a0(<strong>5<\/strong>), der s\u00fcd\u00f6stliche Zipfel um Blieskastel und Homburg wird dem &#8211; Ironie der Geschichte &#8211; durch <strong>Napol\u00e9on<\/strong>\u00a0erst 1805 beim Friedensschluss von Pressburg geschaffenen\u00a0<strong>K\u00f6nigreich Bayern<\/strong>\u00a0zugeschlagen. Das <strong>Grossherzogtum Oldenburg<\/strong> erh\u00e4lt das Territorium um Nohfelden und S\u00f6tern (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/F\u00fcrstentum_Birkenfeld\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>F\u00fcrstentum Birkenfeld<\/strong><\/a>), dem Herzog Ernst von <strong>Sachsen-Coburg<\/strong>\u00a0wird f\u00fcr seine Verdienste das Gebiet um St. Wendel (sp\u00e4ter <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/F\u00fcrstentum_Lichtenberg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>F\u00fcrstentum Lichtenberg<\/strong><\/a>) zugesprochen. Gemeinsam ist diesen fremden Herren bloss eines: f\u00fcr sie sind die Saarl\u00e4nder aufgrund ihrer politischen Erfahrung und ihrer r\u00e4umlichen N\u00e4he zum Mutterland der Revolution unsichere Kantonisten.<\/p>\n<p><strong>Postwesen<\/strong>: In der Bayerischen Pfalz, also auch f\u00fcr das s\u00fcd\u00f6stlichen Saarland, ist ab 1816 das Oberpostamt Speyer zust\u00e4ndig. Seit 1849 &#8211; Stichwort:\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schwarzer_Einser\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>Schwarzer Einser<\/strong><\/a> &#8211; werden auch hier immer h\u00e4ufiger bayerische <strong>Briefmarken<\/strong> zur Freimachung von Briefen verwendet. Es vollzieht sich der \u00dcbergang von der vorphilatelistischen zur philatelistischen Epoche. Die Zust\u00e4ndigkeit der bayerischen Post bleibt offiziell bis zum <strong>10. Januar 1920<\/strong> bestehen, auch wenn sich die Posttarife denen des Norddeutschen Postbezirks und sp\u00e4ter der (kaiserlichen) Reichspost angleichen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2245\" aria-describedby=\"caption-attachment-2245\" style=\"width: 254px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2245\" src=\"https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Schwarzer-Einser.jpg\" alt=\"\" width=\"254\" height=\"258\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2245\" class=\"wp-caption-text\">Schwarzer Einser von 1849 (gemeinfrei)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Oldenburg verf\u00fcgte bereits zur Zeit des Heiligen R\u00f6mischen Reiches \u00fcber ein eigenes Postwesen und beh\u00e4lt diese in den Provinzen Oldenburg und dem F\u00fcrstentum L\u00fcbeck. Im F\u00fcrstentum Birkenfeld ist auf Grund eines Vertrages vom 4. August 1817 das Haus <strong>Thurn und Taxis<\/strong> mit der Postversorgung betraut.<\/p>\n<p>Das <strong>F\u00fcrstentum Lichtenberg<\/strong> wird am 31. Mai <strong>1834<\/strong> vom Herzogtum Sachsen-Coburg an das K\u00f6nigreich Preussen verkauft, welches das Territorium dem Regierungsbezirk Trier zuweist. Durch diesen Verkauf\u00a0befand sich das F\u00fcrstentum Birkenfeld von preussischem Gebiet umgeben und wurde nach Ablauf des Vertrages mit <strong>Thurn und Taxis<\/strong> ab 1. November 1837 von der preussischen Post mitversorgt.\u00a0Am 1. Januar 1868 gibt das Grossherzogtum Oldenburg sein eigenes <strong><a title=\"Postregal\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Postregal\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Postregal<\/a><\/strong>\u00a0auch in seinen sonstigen Gebieten auf.<\/p>\n<p>Das <strong>Postwesen in Preussen<\/strong> ist wie alles, was aus Berliner Amtsstuben kommt, durchreglementiert bis zum letzten Komma, kompliziert und unverst\u00e4ndlich. Ein Paragrafendschungel par excellance. Der interessierte Sammler findet <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Postgeschichte_und_Briefmarken_Preu\u00dfens\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>hier<\/strong><\/a> einen Ausgangspunkt f\u00fcr eine jahrzehntelange Besch\u00e4ftigung mit toten Buchstaben. Ich erspare Ihnen an dieser Stelle diese Tortur.<\/p>\n<p>Es wurden die nachstehenden Post\u00e4mter errichtet:<\/p>\n<ul>\n<li>Merzig (1816)<\/li>\n<li>Ottweiler (1817)<\/li>\n<li>St. Wendel (1817)<\/li>\n<li>Lebach (1833)<\/li>\n<li>Perl (1833)<\/li>\n<li>Tholey (1833)<\/li>\n<li>Losheim (1835)<\/li>\n<li>Wadern (1835)<\/li>\n<li>Nohfelden (1837)<\/li>\n<li>Mettlach (1840)<\/li>\n<li>Heusweiler (1844)<\/li>\n<li>St. Ingbert (1844, war 1763 nach Rohrbach verlegt worden)<\/li>\n<li>V\u00f6lklingen (1848, vormals bis 1815 franz\u00f6sische Post)<\/li>\n<li>Ensheim (vor 1861)<\/li>\n<li>Mittelbexbach (vor 1861)<\/li>\n<li>Schiffweiler (1868)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Nochmal einen kleinen Schritt zur\u00fcck in das Jahr <strong>1815<\/strong>. Vertreter von 34 souver\u00e4nen F\u00fcrsten und der vier freien St\u00e4dte Bremen, Frankfurt, Hamburg und L\u00fcbeck schliessen 1815 den <strong>Deutschen Bund<\/strong>, eine lose Vereinigung, mit dem Ziel, die vornapoleonischen, feudalen Herrschaftsstrukturen, die durch den <strong>Wiener Kongress<\/strong>\u00a0unverhofft ein zweites Leben erhalten hatten, zu bewahren und zu festigen. Der <strong>Deutsche Bund<\/strong> garantiert unter anderem die Souver\u00e4nit\u00e4t der einzelnen Mitgliedsstaaten. <strong>Garantiem\u00e4chte<\/strong> dieses \u2013 heute von vielen leichtgl\u00e4ubigen Romantikern als Vorl\u00e4ufer Deutschlands verkl\u00e4rten \u2013\u00a0<strong>Deutschen Bundes<\/strong> waren das Kaisertum <strong>\u00d6sterreich <\/strong>(gleichzeitig mit einigen wenigen Territorien Mitglied), <strong>Russland<\/strong>, das <strong>Vereinigte K\u00f6nigreich<\/strong> (gleichzeitig mit dem K\u00f6nigreich Hannover Mitglied) sowie die K\u00f6nigreiche <strong>Portugal<\/strong>, <strong>Preussen<\/strong> (gleichzeitig mit einigen Territorien Mitglied), <strong>Schweden<\/strong> und <strong>Spanien<\/strong>. Wie wir sehen werden, ist diese von den Garantiem\u00e4chten abgegebene Garantie nicht das Papier wert, auf dem es niedergeschrieben wurde.<\/p>\n<p><strong>1864<\/strong>: Der preussische Ministerpr\u00e4sident <strong>Otto von Bismarck<\/strong> (vgl. Abb.) sch\u00fcrt bewusst die latent vorhandenen Spannungen zwischen dem K\u00f6nigreich <strong>D\u00e4nemark<\/strong> und dem Deutschen Bund hinsichtlich eines Mitgliedsstaates des <strong>Deutschen Bundes<\/strong>, des Herzogtums <strong>Holstein<\/strong> (<strong>6<\/strong>). Zusammen mit \u00d6sterreich besetzt Preussen in diesem Konflikt erst das Herzogtum Holstein und dann die d\u00e4nische Provinz\u00a0<strong>Schleswig<\/strong>. Das besetzte Herzogtum Holstein wird &#8211; die garantierte Souver\u00e4nit\u00e4t der Mitgliedsstaaten des Deutschen Bundes ist offensichtlich wertlos &#8211; \u00d6sterreich zugeschachert, Preussen annektiert im Gegenzug das d\u00e4nische Schleswig.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2221\" aria-describedby=\"caption-attachment-2221\" style=\"width: 534px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2221 size-full\" src=\"https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Bismarck.jpg\" alt=\"\" width=\"534\" height=\"800\" srcset=\"https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Bismarck.jpg 534w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Bismarck-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 534px) 100vw, 534px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2221\" class=\"wp-caption-text\">Otto Graf von Bismarck-Sch\u00f6nhausen 1862; Bundesarchiv, Bild 183-R15449 \/ CC-BY-SA 3.0<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>1866<\/strong>: Der preussische Ministerpr\u00e4sident <strong>Otto von Bismarck<\/strong> will in absehbarer Zukunft ein Deutschland unter F\u00fchrung des K\u00f6nigreichs Preussen schaffen; jedoch ohne das Mitglied des Deutschen Bundes \u00d6sterreich. In geheimen Absprachen mit <strong>Frankreich<\/strong> und dem K\u00f6nigreich <strong>Italien<\/strong> verpflichtet er mit blumigen Versprechen ersteres zur Neutralit\u00e4t und letztes zur milit\u00e4rischen Unterst\u00fctzung. Ein Streit um die Verwaltung des zwei Jahre zuvor besetzten Holstein l\u00e4sst er bewusst soweit eskalieren, bis die Garantiemacht des <strong>Deutschen Bundes<\/strong> Preussen einen Krieg gegen denselben von \u00d6sterreich angef\u00fchrten <strong>Deutschen Bund<\/strong> vom Zaun brechen kann (Preussisch-Deutscher Krieg). Das K\u00f6nigreich Preussen \u2013 Souver\u00e4nit\u00e4tsgarantie hin oder her \u2013\u00a0annektiert die folgenden Mitgliedstaaten des Deutschen Bundes:<\/p>\n<ul>\n<li>K\u00f6nigreich Hannover<\/li>\n<li>Herzogtum Holstein<\/li>\n<li>Herzogtum Nassau<\/li>\n<li>Kurf\u00fcrstentum Hessen<\/li>\n<li>Freie Stadt Frankfurt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Flugs gr\u00fcndet das K\u00f6nigreich Preussen <b>1866<\/b> aus seinem gewaltsam erweiterten Einflussgebiet und einigen zugewandten Herrschaften n\u00f6rdlich des Mains den <b>Norddeutschen<\/b> <b>Bund<\/b>. Ein Milit\u00e4rb\u00fcndnis, welches sich ein Jahr sp\u00e4ter eine Verfassung gibt, welche Preussens Dominanz und den Vorrang des preussischen K\u00f6nigs in diesem Bund festschreibt.<\/p>\n<p>Nettes, wortbrechendes V\u00f6lkchen, diese <strong>Preussen<\/strong>, denken sich die Zeitgenossen und beobachten seit dem Krieg Preussens gegen den <b>Deutschen<\/b> <b>Bund<\/b> \u2013 verst\u00e4ndlicherweise, denn das preussische Unheil kann jeden Moment den N\u00e4chsten treffen \u2013\u00a0jeden weiteren politischen Schritt, jede weitere Berliner Eskapade mit Argusaugen. Das von &#8222;deutschen&#8220; Politikern bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieg st\u00e4ndig bejammerte Misstrauen, mit welchem die europ\u00e4ischen Staaten erst Preussen, dann dem Norddeutschen Bund und sp\u00e4ter dem deutschen Kaiserreich begegnen. In den <strong>Wortbr\u00fcchen<\/strong> von 1864 und 1866 hat dieses Misstrauen ihre berechtigte Ursache. Selbst das enorme diplomatische Geschick eines <strong>Otto von Bismarck<\/strong> kann dieses Misstrauen f\u00fcr eine gewisse Zeit bloss einhegen, aber niemals ganz ausr\u00e4umen. Denn jedem seiner vielf\u00e4ltigen Gespr\u00e4chspartner ist bewusst, dass es der Wortbrecher selbst ist, der nun versucht, mit Engelszungen zu reden.<\/p>\n<p><strong>Postwesen<\/strong>: 1868 wird &#8211; wie kann es anders sein &#8211; unter F\u00fchrung Preussens und damit der paragrafenverliebten Beamten der <strong>Preussischen Post<\/strong> der <strong>Norddeutsche Postbezirk<\/strong> aus der Taufe gehoben. F\u00fcr die <strong>bayerische Pfalz<\/strong> und damit den s\u00fcd\u00f6stlichen Zipfel des Saarlandes bleibt alles wie es war. F\u00fcr das Oldenburger <strong>F\u00fcrstentum Birkenfeld<\/strong> und den preussischen Teil des Saarlandes \u00e4ndert sich ebenfalls wenig bis gar nichts, sind es doch die Preussen, die im <b>Norddeutschen<\/b> <b>Postbezirk<\/b> das Sagen haben.<\/p>\n<p><strong>1870<\/strong>: Der preussische Ministerpr\u00e4sident <strong>Otto von Bismarck<\/strong> d\u00fcpiert \u2013 bewusst auf Krieg spekulierend \u2013\u00a0<strong>Kaiser Napol\u00e9on III.<\/strong> von Frankreich durch eine \u00fcbertriebene Darstellung des \u00a0Treffens zwischen <strong>K\u00f6nig Wilhelm I. von Preussen<\/strong> und dem ziemlich undiplomatisch agierenden franz\u00f6sischen Botschafter <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Vincent_Benedetti\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>Vincent Benedetti<\/strong><\/a> in Bad Ems. Im darauffolgenden, neun Monate w\u00e4hrenden Krieg werden \u00fcber 400&#8217;000 Menschen get\u00f6tet oder verwundet; die franz\u00f6sischen Gebiete Elsass sowie Lothringen von Preussen besetzt.<\/p>\n<p><strong>1871<\/strong>: Im Spiegelsaal von Versailles \u2013 also wohlgemerkt in Frankreich, nicht in Bayern, W\u00fcrttemberg, Sachsen, Baden oder Preussen \u2013\u00a0wird das Deutsche Kaiserreich unter der F\u00fchrung <strong>K\u00f6nig Wilhelms I.<\/strong> von Preussen (resp. unter der F\u00fchrung des preussischen Ministerpr\u00e4sidenten <strong>Bismarck<\/strong>, der im weit verbreiteten Bild im Mittelpunkt steht) ausgerufen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2219\" aria-describedby=\"caption-attachment-2219\" style=\"width: 840px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2219 size-large\" src=\"https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/1871-1024x868.jpg\" alt=\"\" width=\"840\" height=\"712\" srcset=\"https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/1871-1024x868.jpg 1024w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/1871-300x254.jpg 300w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/1871-768x651.jpg 768w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/1871-1200x1017.jpg 1200w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/1871.jpg 1292w\" sizes=\"auto, (max-width: 840px) 100vw, 840px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2219\" class=\"wp-caption-text\">Kaiserproklamation im Spiegelsaal von Versailles; Anton von Werner (1885)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die besetzten Gebiete <strong>Elsass und Lothringen<\/strong> werden annektiert und als <strong>Reichsland Elsass-Lothringen<\/strong> dem soeben gegr\u00fcndeten Deutschen Kaiserreich angegliedert. Wie sehr viele Vorkommnisse und die haupts\u00e4chlich milit\u00e4rischen Zwecken dienenden baulichen Massnahmen zeigen, das Reichsland bleibt nicht nur in den Berliner K\u00f6pfen, sondern auch im Berliner Handeln sehr lange besetztes Feindesland. F\u00fcr das Saarland \u00e4ndert sich dagegen nichts, es bleibt aufgesplittert zwischen dem K\u00f6nigreich <strong>Preussen<\/strong>, dem K\u00f6nigreich <strong>Bayern<\/strong> und dem Grossherzogtum <strong>Oldenburg<\/strong>. Einzig den traditionellen Nachbarn im S\u00fcden, Frankreich, den gibt es nicht mehr.<\/p>\n<p><strong>Postwesen<\/strong>: F\u00fcr <strong>Bayern<\/strong> resp. f\u00fcr die <strong>bayerische Pfalz<\/strong> \u00e4ndert sich \u2013 wie 1868 \u2013 fast nichts. Nur die <strong>preussischen<\/strong> und <strong>oldenburgischen<\/strong> Landesteile des Saarlandes werden nun von der kaiserlichen <strong>Reichspost<\/strong> versorgt, anstatt durch den <strong>Norddeutschen Postbezirk<\/strong>. Wirkliche \u00c4nderungen entstehen dadurch weder personell noch reglementarisch.<\/p>\n<p>Das <strong>Saarland<\/strong> ist zur Zeit der Gr\u00fcndung des Kaiserreiches bereits seit einigen Jahrzehnten in sozialer Hinsicht Vorreiter in ganz Europa. Die qualifizierte Stammarbeiterschaft ist ein wichtiger Standortfaktor f\u00fcr s\u00e4mtliche Industrien. Insbesondere die Berg- und H\u00fcttenarbeiter stammen aus der n\u00e4heren Umgebung der Gruben und Werke. Die preussische Bergbeh\u00f6rde veranlasst fr\u00fch umfangreiche Sozialmassnahmen, die den Wohnungsbau, die medizinische Versorgung, die schulische Bildung, die Weiterbildung, g\u00fcnstige Versorgung f\u00fcr den t\u00e4glichen Bedarf und das Knappschaftswesen (Invaliden- und Altersvorsorge) umfassen. Betriebe wie die Eisenwerke\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gebr\u00fcder_Stumm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>Stumm<\/strong><\/a> oder das Keramikwerk <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Villeroy_%26_Boch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>Villeroy &amp; Boch<\/strong><\/a> bieten den Besch\u00e4ftigten rasch \u00e4hnliche soziale Einrichtungen.<\/p>\n<p>Das Kohlerevier an der Saar wird ab <strong>1890<\/strong> in verschiedenen Korrespondenzen als <strong>Saarrevier<\/strong> resp. als <strong>Saargebiet<\/strong> bezeichnet. Aufgrund der beherrschenden Stellung der Familien <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Stumm_(Montanunternehmer)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>Stumm-Halberg<\/strong> <\/a>und <strong>R\u00f6chling<\/strong> erhielt das Saarland auch weniger schmeichelhafte Bezeichnungen wie <strong>K\u00f6nigreich Stumm<\/strong> oder <strong>Saarabien<\/strong>.<\/p>\n<p>Noch existiert das <strong>Saargebiet<\/strong> oder das <strong>Saarland<\/strong> als Entit\u00e4t, als territoriale Einheit nicht. Es ist bloss ein Begriff in der Korrespondenz. Dieser Zustand wird sich in absehbarer Zeit \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Davon mehr im kommenden Beitrag.<\/p>\n<p>Bis dann<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">__________<\/p>\n<p><strong>Anmerkungen<\/strong><\/p>\n<p>(<strong>1<\/strong>) Behringer, Wolfgang; Clemens, Gabriele: Geschichte des Saarlandes, M\u00fcnchen 2009, ISBN 978 3 406 584565<\/p>\n<p>(<strong>2<\/strong>) 1789 kommt es zu Aufst\u00e4nden in der Grafschaft Saarwerden und in Blieskastel, die mit Truppen des Oberrheinischen Reichskreises f\u00fcr kurze Zeit niedergeschlagen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>(<strong>3<\/strong>) Die linksrheinischen Gebiete wurden 1795 von <strong>Preussen<\/strong> im Frieden von Basel und 1797 von <strong>\u00d6sterreich<\/strong> im Frieden von Campo Formio abgetreten. V\u00f6lkerrechtlich verbindlich wurden diese Abtretungen 1801 durch den <strong>Frieden von Lun\u00e9ville<\/strong>.<\/p>\n<p>(<strong>4<\/strong>) Ein Kanton ist eine franz\u00f6sische Verwaltungseinheit.<\/p>\n<p>(<strong>5<\/strong>) Das preussische Saarland geh\u00f6rte zum Regierungspr\u00e4sidium Trier als Teil der Rheinprovinz. Der Oberpr\u00e4sident residierte in Koblenz.<\/p>\n<p>(<strong>6<\/strong>) Der K\u00f6nig von D\u00e4nemark <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Christian_IX.\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>Christian IX.<\/strong><\/a>, oft als Schwiegervater Europas tituliert, war in Personalunion Herzog von Holstein und Mitglied des Deutschen Bundes<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">__________<\/p>\n<p>Folgt mir auf <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/SaarPhilatelist\"><b>Facebook<\/b><\/a> und ihr seid immer auf dem Laufenden.<\/p>\n<p><strong>#saarphila #saarphilatelie<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hallo Im letzten Beitrag\u00a0haben wir die historisch korrekte Zuordnung der nach Ende des Zweiten Weltkriegs f\u00fcr das Saarland ausgegebenen Briefmarken behandelt. Es gibt f\u00fcr den Zeitraum von 1946-1959 franz\u00f6sische, saarl\u00e4ndische und deutsche Briefmarkenausgaben. Meine Geschichte des Saarlandes ist philatelistisch gepr\u00e4gt, wobei die Schwerpunkte der Darstellung auf der Zeit des Saargebiets 1920-1935 und der Zeit nach&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[222],"tags":[],"class_list":["post-2230","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissenswertes"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archive.saarphila.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2230","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archive.saarphila.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archive.saarphila.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archive.saarphila.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archive.saarphila.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2230"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archive.saarphila.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2230\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archive.saarphila.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2230"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archive.saarphila.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2230"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archive.saarphila.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2230"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}