{"id":3570,"date":"2019-05-19T03:00:18","date_gmt":"2019-05-19T01:00:18","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.saarphilatelie.com\/?p=3570"},"modified":"2024-10-06T14:07:34","modified_gmt":"2024-10-06T12:07:34","slug":"saar-ii-ein-seltener-ersttagsbeleg-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archive.saarphila.de\/?p=3570","title":{"rendered":"Belege (V) &#8211; Seltener Ersttagsbeleg Malstatt Burbacher Druck (MBD)"},"content":{"rendered":"<p>Hallo<\/p>\n<p>Im <a href=\"https:\/\/archive.saarphila.de\/?p=2919\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>Beitrag<\/strong> <\/a>vom 27. Februar 2019 habe ich euch einen seltenen Ersttagsbeleg des\u00a0<strong>Malstatt-Burbacher Drucks<\/strong> vom 20. November 1947 vorgestellt, den ich meiner Sammlung <strong>Montclair<\/strong> hinzuf\u00fcgen konnte.<\/p>\n<p>Die <strong>Frankatur<\/strong> dieses Ersttagbeleges hat einige Fragen aufgeworfen, die ich nicht abschliessend beantwortet konnte. Mittels intensiver Recherche und der freundlichen Unterst\u00fctzung von \u2039Commissaire Hasard\u203a habe ich nun die entsprechenden Antworten.<\/p>\n<p>Worum geht es? Hier nochmals der Beleg.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2941\" aria-describedby=\"caption-attachment-2941\" style=\"width: 840px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2941 size-large\" src=\"https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/19471120-24-Pfennig-MeF-Beleg-1024x718.jpg\" alt=\"\" width=\"840\" height=\"589\" srcset=\"https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/19471120-24-Pfennig-MeF-Beleg-1024x718.jpg 1024w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/19471120-24-Pfennig-MeF-Beleg-300x210.jpg 300w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/19471120-24-Pfennig-MeF-Beleg-768x539.jpg 768w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/19471120-24-Pfennig-MeF-Beleg-1200x842.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 840px) 100vw, 840px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2941\" class=\"wp-caption-text\">20. November 1947, 17-18, Schaffhausen (Saar) nach Heiligenhaus \/ \u00a9Sammlung Montclair<\/figcaption><\/figure>\n<p>Verklebt sind eine <strong>6 F<\/strong>\u00a0auf 24 Pfennig Neuausgabe und zwei <strong>2 F<\/strong> auf 12 Pfennig Originalausgabe (senkrechtes Paar, Wasserzeichen fallende Wellenlinien F). Damit ist der Brief vom Saarland in die britische Besatzungszone des besetzten Deutschen Reichs nach den ab dem 20. November 1947 geltenden Tarifen der <strong>P.T.T. des Saarlandes<\/strong> um <strong>4<\/strong> resp. <strong>1 Franken<\/strong> \u00fcberfrankiert.<\/p>\n<p><strong>Posttarife des Saarlandes ab 20. November 1947 (Auszug)<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Brief in die besetzten Gebiete des Deutschen Reichs resp. ins Mutterland Frankreich der 1. Gewichtsstufe bis 20 g = <strong>6 Franken<\/strong><\/li>\n<li>Brief in die besetzten Gebiete des Deutschen Reichs resp. ins Mutterland Frankreich der 2. Gewichtsstufe 20 g bis 50 g = <strong>9 Franken<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>10 Franken<\/strong>\u00a0waren notwendig f\u00fcr die Frankatur von:<\/p>\n<ul>\n<li>Brief der 1. Gewichtsstufe bis 20 g ins <strong>Ausland<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>Wieso wurde der abgebildete Brief \u00fcberfrankiert? Das ist die grosse Frage. Hier die Auflistung der bekannten Fakten:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Werte des <strong>Malstatt-Burbacher Drucks<\/strong>\u00a0waren am Ersttag ausschliesslich am Postschalter erh\u00e4ltlich; somit muss ein Schalterbeamter der Post in Schaffhausen (Saar) den abgebildeten Brief frankiert haben.<\/li>\n<li>Die neuen Bef\u00f6rderungstarife der <strong>P.T.T. des Saarlandes<\/strong> waren genau am 20. November 1947 in Kraft getreten. Hatte der Schalterbeamte geirrt? Hatte er dem Absender den Auslandstarif verrechnet, anstatt den niedrigeren Tarif f\u00fcr die Briefbef\u00f6rderung in die besetzten Gebiete des Deutschen Reichs zu verwenden?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Antwort auf diese Frage liegt in den Wirren der W\u00e4hrungsreform vom <strong>20. November 1947<\/strong>.<\/p>\n<p>Die Direktion der <strong>P.T.T. des Saarlandes<\/strong> in Saarbr\u00fccken erliess am <strong>17. November 1947<\/strong> die mit der W\u00e4hrungsreform ab dem <strong>20. November 1947<\/strong> anzuwendenden Bestimmungen und Bef\u00f6rderungstarife. Dieses Regelwerk enthielt drei Abschnitte:<\/p>\n<ul>\n<li>Postsendungen nach <strong>Frankreich<\/strong><\/li>\n<li>Postsendungen innerhalb des <strong>Saarlandes<\/strong><\/li>\n<li>Postsendungen nach dem <strong>Ausland<\/strong> einschliesslich der besetzten Gebiete des Deutschen Reichs<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dies bedeutete, dass bei Postsendungen nach den besetzten Gebieten des Deutschen Reichs die <strong>Auslandstarife<\/strong> zur Anwendung kommen sollten. Konkret: <strong>10 Franken<\/strong> f\u00fcr einen Brief der ersten Gewichtsstufe bis 20 Gramm. Nach dem Regelwerk vom <strong>17. November 1947<\/strong> ist der oben abgebildete Brief korrekt frankiert.<\/p>\n<p>Wieso habe ich dann die Posttarife vorstehend anders wiedergegeben?<\/p>\n<p>Tja, bei W\u00e4hrungsreformen muss alles sehr rasch gehen, wobei es unerheblich ist, ob es dabei um Banknoten und M\u00fcnzen oder um geldwerte Briefmarken geht. Die Direktion der <strong>P.T.T. des Saarlandes<\/strong> wurde wahrscheinlich von der <strong>D\u00e9l\u00e9gation sup\u00e9rieure de la Sarre<\/strong> unter <strong>Gilbert Grandval<\/strong> zur\u00fcckgepfiffen, denen der Zeitpunkt zur Einf\u00fchrung von Auslandstarifen f\u00fcr Postsendungen in die besetzten Gebiete des Deutschen Reichs wohl nicht opportun erschien. Wie auch immer. Die Auslandstarife f\u00fcr Postsendungen in die besetzten Gebiete des Deutschen Reichs wurden schliesslich erst f\u00fcnf Monate nach der W\u00e4hrungsreform, zum <strong>1. Mai 1948<\/strong> in Kraft gesetzt.<\/p>\n<p>Die Direktion der <strong>P.T.T. des Saarlandes<\/strong> musste nun schleunigst das Regelwerk \u00fcberarbeiten, den <strong>dritten Abschnitt<\/strong> k\u00fcrzen und das Werk um einen <strong>vierten Abschnitt<\/strong> erg\u00e4nzen:<\/p>\n<ul>\n<li>Postsendungen nach den <strong>besetzten Gebieten des Deutschen Reichs<\/strong> (mit reduzierten Tarifen)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das \u00fcberarbeitete Regelwerk wurde am Nachmittag des <strong>19. November 1947<\/strong> den Poststellen zugeleitet. Es ist mehr als nur wahrscheinlich, dass am Folgetag nicht jeder Postbeamte von den so kurzfristig ge\u00e4nderten Bestimmungen Kenntnis hatte.<\/p>\n<p>Hier die Abbildung eines weiteren Ersttagsbelegs mit gleicher Frankatur. Diesmal aus Blieskastel.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3574\" aria-describedby=\"caption-attachment-3574\" style=\"width: 840px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-3574 size-large\" src=\"https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Brief-Blieskastel-1024x699.jpg\" alt=\"\" width=\"840\" height=\"573\" srcset=\"https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Brief-Blieskastel-1024x699.jpg 1024w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Brief-Blieskastel-300x205.jpg 300w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Brief-Blieskastel-768x524.jpg 768w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Brief-Blieskastel-1200x819.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 840px) 100vw, 840px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3574\" class=\"wp-caption-text\">20. November 1947, 14-15:00, Blieskastel (Saar) nach Mannheim \/ \u00a9 Walter Farber<\/figcaption><\/figure>\n<p>Bis dann<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">__________<\/p>\n<p><strong>Danksagung<\/strong>: Ich bedanke mich bei Walter Farber, <a href=\"https:\/\/oi.uchicago.edu\/\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>Oriental Institute<\/strong><\/a>, <a href=\"https:\/\/www.uchicago.edu\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>The University of Chicago<\/strong><\/a>, Chicago (IL), USA, f\u00fcr die fruchtbare Korrespondenz, welche diesen Beitrag erst erm\u00f6glichte.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">__________<\/p>\n<p>Folgt mir auf <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/SaarPhilatelist\"><b>Facebook<\/b><\/a> und ihr seid immer auf dem Laufenden.<\/p>\n<p><strong>#saarphila #saarphilatelie<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hallo Im Beitrag vom 27. Februar 2019 habe ich euch einen seltenen Ersttagsbeleg des\u00a0Malstatt-Burbacher Drucks vom 20. November 1947 vorgestellt, den ich meiner Sammlung Montclair hinzuf\u00fcgen konnte. Die Frankatur dieses Ersttagbeleges hat einige Fragen aufgeworfen, die ich nicht abschliessend beantwortet konnte. 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