{"id":3916,"date":"2019-08-04T03:00:36","date_gmt":"2019-08-04T01:00:36","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.saarphilatelie.com\/?p=3916"},"modified":"2024-10-06T14:42:07","modified_gmt":"2024-10-06T12:42:07","slug":"saar-i-die-vor-und-mitlaeufer-v","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archive.saarphila.de\/?p=3916","title":{"rendered":"Wappen und Dichter &#8211; Die ersten Briefmarken f\u00fcr das Saarland (V)"},"content":{"rendered":"<h3>Wappen und Dichter &#8211; Spezialit\u00e4ten<\/h3>\n<p>Hallo<\/p>\n<p>In den Ferien konnte ich f\u00fcr einen Beleg erwerben, der sch\u00f6n zur Thematik des letzten Betrags passt. Das Interessante an diesem Beleg ist, dass bestimmte Fragen offen bleiben &#8211; vielleicht f\u00fcr immer.<\/p>\n<p>Bereits im <a href=\"https:\/\/archive.saarphila.de\/?p=3875\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>letzten Beitrag<\/strong><\/a> hatte ich euch einen Beleg gezeigt, der eine portogerechte Mischfrankatur aus den Ausgaben <strong>Wappen und Dichter<\/strong>, <strong>Berufe und Sehensw\u00fcrdigkeiten an der Saar<\/strong> &#8211; <strong>Originalausgabe<\/strong> (BuS I) wie auch <strong>Neuausgabe<\/strong> (BuS II) &#8211; vom 27. November 1947, dem letztm\u00f6glichen Datum einer solchen Frankatur tr\u00e4gt. Dieser Beleg lief innerhalb des <strong>Saarlandes<\/strong> von H\u00f6cherberg (Mittelbexbach) nach Neunkirchen.<\/p>\n<p>Der Beleg, den ich euch im Folgenden vorstellen werde, dokumentiert drei postalische Spezialit\u00e4ten nach der W\u00e4hrungsreform vom <strong>19. November 1947<\/strong>:<\/p>\n<ul>\n<li>das letztm\u00f6gliche, offizielle Verwendungsdatum von Marken der Ausgabe <strong>Wappen und Dichter<\/strong> sowie der <b>1. Offenburger Ausgabe<\/b>; grunds\u00e4tzlich war dies auch das letztm\u00f6gliche, offizielle Verwendungsdatum f\u00fcr die Marken der <b>2. Offenburger Ausgabe<\/b>, die ohne W\u00e4hrungs\u00fcberdruck an die Postschalter gelangten &#8211; also der Werte zu <strong>15<\/strong> resp. <strong>24 Pfennig<\/strong><\/li>\n<li>eine portogerechte Frankatur aus allen drei Briefmarkenausgaben der Milit\u00e4rbeh\u00f6rden der <strong>Zone d&#8217;occupation fran\u00e7aise en Allemagne<\/strong> resp. des Saarlandes f\u00fcr das Saarland, also:\n<ul>\n<li><strong>Wappen und Dichter<\/strong><\/li>\n<li><strong>1. Offenburger Ausgabe<\/strong><\/li>\n<li><strong>Malstatt-Burbacher Druck<\/strong>\u00a0(mit <strong>\u00dcberdruck<\/strong> in Frankenw\u00e4hrung)<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li>den Wechsel in der postalischen Behandlung Frankreichs von Ausland zu Inland; eine Vorwegnahme der wenige Wochen sp\u00e4ter abgeschlossenen Zoll- und W\u00e4hrungsunion zwischen dem Saarland und Frankreich<\/li>\n<\/ul>\n<figure id=\"attachment_3918\" aria-describedby=\"caption-attachment-3918\" style=\"width: 840px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-3918 size-large\" src=\"https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/19471127-Saarlouis-1a-1024x751.jpg\" alt=\"\" width=\"840\" height=\"616\" srcset=\"https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/19471127-Saarlouis-1a-1024x751.jpg 1024w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/19471127-Saarlouis-1a-300x220.jpg 300w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/19471127-Saarlouis-1a-768x563.jpg 768w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/19471127-Saarlouis-1a-1200x880.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 840px) 100vw, 840px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3918\" class=\"wp-caption-text\">Saarlouis, 27. November 1947 (Adressseite), \u00a9Sammlung Montclair<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_3919\" aria-describedby=\"caption-attachment-3919\" style=\"width: 840px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-3919 size-large\" src=\"https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/19471127-Saarlouis-1b-1024x748.jpg\" alt=\"\" width=\"840\" height=\"614\" srcset=\"https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/19471127-Saarlouis-1b-1024x748.jpg 1024w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/19471127-Saarlouis-1b-300x219.jpg 300w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/19471127-Saarlouis-1b-768x561.jpg 768w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/19471127-Saarlouis-1b-1200x876.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 840px) 100vw, 840px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3919\" class=\"wp-caption-text\">R\u00fcckseite des leeren, verschlossenen und unge\u00f6ffneten Umschlags; es fehlt ein Absender<\/figcaption><\/figure>\n<p>Drei Fragen, die ein Philatelist immer stellt, wenn er einen <strong>Beleg<\/strong> in die Hand nimmt:<\/p>\n<ul>\n<li>Ist der Beleg zeitgerecht?<\/li>\n<li>Ist der Beleg portogerecht?<\/li>\n<li>Handelt es sich um einen Bedarfsbrief?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die <strong>erste Frage<\/strong> haben wir bereits beantwortet. Der Umschlag, die f\u00fcr die Frankatur verwendeten Marken, der Stempel <strong>Saarlouis 1b<\/strong> mit der typischen schriftgeraden <strong>Leitgebietszahl 18<\/strong>, das Datum der Abstempelung sowie die Empf\u00e4ngeradresse: alles zeitgerecht.<\/p>\n<p>Die <strong>zweite Frage<\/strong> k\u00f6nnen wir ebenso rasch beantworten. Das Porto f\u00fcr einen Brief der 1. Gewichtsstufe bis 20 Gramm von Saarlouis nach Frankreich betrug nach der W\u00e4hrungsreform ab dem 20. November 1947 <strong>6 Franken<\/strong> (vgl. <a href=\"https:\/\/archive.saarphila.de\/?p=3570\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>hier<\/strong><\/a>).<\/p>\n<ul>\n<li>der Brief wiegt kaum 10 Gramm und fiel in die 1. Gewichtsstufe: der verschlossene und bis heute unge\u00f6ffnete Umschlag ist n\u00e4mlich leer<\/li>\n<li><strong>2 Franken<\/strong> wurden abgedeckt durch eine Marke zu <strong>12 Pfennig<\/strong> (Originalausgabe <strong>Berufe und Sehensw\u00fcrdigkeiten an der Saar<\/strong>, die Neuausgabe war noch nicht gedruckt) mit \u00dcberdruck <strong>2 F<\/strong><\/li>\n<li><strong>4 Franken<\/strong> wurden abgedeckt durch eine Marke zu <strong>8 Pfennig Wappen und Dichter<\/strong> sowie eine Marke zu <strong>12 Pfennig Berufe und Sehensw\u00fcrdigkeiten an der Saar<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<figure id=\"attachment_3920\" aria-describedby=\"caption-attachment-3920\" style=\"width: 840px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-3920 size-large\" src=\"https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/19471127-Saarlouis-1x-1024x476.jpg\" alt=\"\" width=\"840\" height=\"390\" srcset=\"https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/19471127-Saarlouis-1x-1024x476.jpg 1024w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/19471127-Saarlouis-1x-300x139.jpg 300w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/19471127-Saarlouis-1x-768x357.jpg 768w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/19471127-Saarlouis-1x-1200x558.jpg 1200w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/19471127-Saarlouis-1x.jpg 1943w\" sizes=\"auto, (max-width: 840px) 100vw, 840px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3920\" class=\"wp-caption-text\">fast schon perfekte Stempelabschl\u00e4ge &#8222;Saarlouis 1b&#8220;, \u00a9Sammlung Montclair<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Zur Erl\u00e4uterung<\/strong>: Der Umrechnungskurs (Saar-) Mark zu Franken wurde f\u00fcr die W\u00e4hrungsumstellung zu 1:20 fixiert; also 1 Mark = 20 Franken, resp. f\u00fcr den konkreten Fall: 20 Pfennig = 4 Franken.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Saarl\u00e4nder bedeuteten die ab dem 20. November 1947 geltenden neuen Tarife eine Erh\u00f6hung des Portos f\u00fcr den <strong>Inlandsbrief<\/strong>. Kostete ein Brief der <strong>1. Gewichtsstufe bis 20 Gramm<\/strong> bislang <strong>24 Pfennig<\/strong> (4,80 Franken) mussten nun <strong>6 Franken<\/strong> berappt werden. Daf\u00fcr fiel das Auslandsporto nach Frankreich weg, was insbesondere Gewerbetreibende, deren Produkte \u00fcberwiegend aus Frankreich stammten, positiv vermerkt haben d\u00fcrften.<\/p>\n<p>Die <strong>dritte Frage<\/strong> lautet: Ist es ein Bedarfsbrief? Diese Frage kann definitiv mit <strong>Nein<\/strong> beantwortet werden:<\/p>\n<ul>\n<li>der Umschlag war und ist nachweisbar leer<\/li>\n<li>der Adressat und dessen Adresse sind gestempelt, was die Vermutung nahelegt, dass Adressat und Absender (Adressent) ein und dieselbe Person waren; weshalb sonst sollte der Adressent im Besitz eines Adressstempels des Adressaten sein<\/li>\n<li>die Stempelabschl\u00e4ge sind fast schon perfekt zu nennen (Gef\u00e4lligkeitsabstempelung)<\/li>\n<li>der Umschlag weist keinerlei Postlaufspuren auf, was die postalische Bef\u00f6rderung des Briefes unwahrscheinlich macht<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Mein Fazit<\/strong>: dieser Beleg ist zwar philatelistische Mache, jedoch macht das nichts. Erstens war der Macher mehr als nur philatelistisch angehaucht. Zweitens w\u00e4ren beispielsweise die heutigen Sammler von originalen, tats\u00e4chlich bef\u00f6rderten Zeppelinbelegen arm dran, h\u00e4tte nicht ein windiger und findiger H\u00e4ndler aus Lorch in W\u00fcrttemberg namens Sieger fr\u00fchzeitig eine riesige Menge solcher Belege gemacht. In der Zeit direkt nach dem Zweiten Weltkrieg f\u00e4llt mit zu diesem Thema auch das Stichwort <strong>Prell-Briefe<\/strong> ein. Der in Chemnitz wohnhafte, philatelistisch gut bewanderte Lehrer <strong>Walter Prell<\/strong> hat eine grosse Menge Belege aus s\u00e4mtlichen Zonen des besetzten ehemaligen Deutschen Reichs an sich selbst versandt resp. mit Gef\u00e4lligkeitsstempeln versehen lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">__________<\/p>\n<p>Zu Beginn des Beitrages schrieb ich, das Interessante an diesem Beleg sei, dass Fragen offen bleiben w\u00fcrden. Nachstehend einige dieser offenen Fragen:<\/p>\n<p>Wer war der Adressent? Wir d\u00fcrfen vermuten, dass es sich um Lieutenant G\u00e9rig handelt. Jedoch: Vielleicht hatte der tats\u00e4chliche Adressent auch nur einen stehenden Auftrag des Adressaten, ihm philatelistisch interessante Belege zuzusenden; dies w\u00e4re eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung f\u00fcr den Besitz des Adressstempels.<\/p>\n<p>Wer war Lieutenant G\u00e9rig, der entweder in Lyon stationiert oder dessen Heimatstandort in Lyon war? Eine zugegebenermassen oberfl\u00e4chliche Recherche hat hierzu nichts zutage gebracht. Solltet ihr Hinweise zu dem Adressaten haben, w\u00e4re ich \u00fcber eine E-Mail dankbar.<\/p>\n<p>Ach ja &#8230; ich finde es erstaunlich, wie rasch die Briefmarkensammler nach diesem jahrelangen, m\u00f6rderischen Vernichtungskrieg, den die Deutschen losgetreten hatten, begannen, normal zu agieren.<\/p>\n<p>Bis dann<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">__________<\/p>\n<p>Folgt mir auf <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/SaarPhilatelist\"><b>Facebook<\/b><\/a> und ihr seid immer auf dem Laufenden.<\/p>\n<p><strong>#saarphila #saarphilatelie<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wappen und Dichter &#8211; Spezialit\u00e4ten Hallo In den Ferien konnte ich f\u00fcr einen Beleg erwerben, der sch\u00f6n zur Thematik des letzten Betrags passt. Das Interessante an diesem Beleg ist, dass bestimmte Fragen offen bleiben &#8211; vielleicht f\u00fcr immer. 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