{"id":441,"date":"2018-01-13T20:21:30","date_gmt":"2018-01-13T19:21:30","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.saarphilatelie.com\/?p=441"},"modified":"2024-10-16T11:53:00","modified_gmt":"2024-10-16T09:53:00","slug":"eine-schnelle-postkartenbefoerderung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archive.saarphila.de\/?p=441","title":{"rendered":"Basiswissen Philatelie (IV) &#8211; Postlaufzeit von Postkarten"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #333333;\">Hallo<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333333;\">Auf meinen Beitrag<\/span> <a href=\"https:\/\/archive.saarphila.de\/?p=266\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>Die Saarschleife bei Mettlach (I)<\/strong><\/a>\u00a0<span style=\"color: #333333;\">erhielt ich von Thomas K. aus Saarwellingen eine R\u00fcckmeldung. Ihn erstaune die rasche postalische Bef\u00f6rderung von <strong>Postkarten<\/strong> vor etwa 80 Jahren.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333333;\">Gerne nehme ich dieses Zuspiel auf und vertiefe das Thema <strong>Postlaufzeit<\/strong> anhand eines \u2013 Schweizer\/Deutschen \u2013\u00a0Beispiels aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert. Ihr werdet staunen, wie vielf\u00e4ltig die Besch\u00e4ftigung mit der Philatelie sein kann.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333333;\">Zuerst einmal die Abbildung des Belegs. Was? Euch sagt der Begriff <strong>Beleg<\/strong>\u00a0nichts?<\/span><\/p>\n<h3><span style=\"color: #333333;\">Definition philatelistischer Beleg<\/span><\/h3>\n<p><span style=\"color: #333333;\">Ein philatelistischer Beleg ist ein tats\u00e4chlich gelaufenes &#8211; also nachweisbar von einer oder mehreren <strong>Postdienstleistern<\/strong> bef\u00f6rdertes &#8211; <strong>Postst\u00fcck<\/strong>. Postst\u00fccke im Sinne dieser Definition k\u00f6nnen beispielsweise sein:<\/span><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"color: #333333;\">ein <strong>Brief(umschlag)<\/strong><\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #333333;\">eine <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Postkarte\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>Postkarte<\/strong><\/a><\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #333333;\">eine <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ganzsache\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>Ganzsache<\/strong><\/a><\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #333333;\">eine <strong>Paketkarte<\/strong><\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #333333;\">eine <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Postanweisung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>Postanweisung<\/strong><\/a><\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"color: #333333;\">Zu einem philatelistischen Beleg geh\u00f6ren alle <strong>Stempel<\/strong> und soweit vorhanden \u00a0<\/span><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Postwertzeichen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>Postwertzeichen<\/strong><\/a><span style=\"color: #333333;\">, (Bef\u00f6rderungs-) <strong>Vermerke<\/strong>, <strong>Aufkleber<\/strong>, <strong>Siegel<\/strong>\u00a0oder \u00e4hnliches. Dies ist meine eigene, ganz pers\u00f6nliche Definition. Ich habe keine bessere gefunden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333333;\">Nichts geht \u00fcber ein Beispiel. Ihr erhaltet morgen eine Rechnung von eurem Zahnarzt. Das ist zwar schmerzhaft, aber nicht so schmerzhaft wie die F\u00fcllung des Kariesloches. Die Zahnarztrechnung steckt in einem weissen Fenstercouvert und wurde mit einer <strong>Briefmarke<\/strong> frankiert, also freigemacht. Freimachung oder Frankatur bedeutet, das Bef\u00f6rderungsentgelt wurde vom Absender entrichtet. Ja, ja &#8230; ich weiss, das Beispiel ist an den Haaren herbeigezogen &#8230; Rechnungen kommen nur noch in obskuren F\u00e4llen mit aufgeklebten Briefmarken. Weiter mit dem Beispiel: Die Briefmarke wurde abgestempelt, was nachweist, dass die Briefmarke entwertet wurde.\u00a0\u00a0Ja, auch dies ist selten geworden &#8230; heute erkennt man nur noch einen merkw\u00fcrdigen <strong>Strichcode<\/strong> in meist oranger Farbe. Das Couvert der Zahnarztrechnung mit der Briefmarke und dem Stempel ist ein philatelistischer Beleg. Der Inhalt muss nicht zwingend dabei sein, kann aber bei \u00e4lteren Belegen &#8211; falls vorhanden &#8211; zur Spannung beitragen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333333;\">Den diesem Beitrag zugrundeliegenden, gut erhaltenen Beleg habe ich bei meinem letzten Besuch auf der Briefmarkenb\u00f6rse in Villingen-Schwenningen, also gerade ennet unserer Grenze mit Deutschland f\u00fcr 50 Eurocent erworben.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333333;\">Nun zur Abbildung.<\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-448 size-large\" src=\"https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Postkarte-CH-18961111-1-1024x656.jpg\" alt=\"\" width=\"840\" height=\"538\" srcset=\"https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Postkarte-CH-18961111-1-1024x656.jpg 1024w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Postkarte-CH-18961111-1-300x192.jpg 300w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Postkarte-CH-18961111-1-768x492.jpg 768w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Postkarte-CH-18961111-1-1200x768.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 840px) 100vw, 840px\" \/><\/p>\n<p><span style=\"color: #333333;\">Was sehen wir?<\/span><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"color: #333333;\">Die Vorderseite einer\u00a0<strong>Ganzsache<\/strong> (eingedruckter oder aufgedruckter Wertstempel, in diesem Fall 10 Rappen), der <strong>Schweizerischen Post<\/strong>.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #333333;\">Eine <strong>Postkarte<\/strong>. Die Bezeichnung \u00abCarte Postale\u00bb auf Franz\u00f6sisch ist dem Umstand geschuldet, dass die Karte in <strong>Yverdon<\/strong> aufgegeben und h\u00f6chstwahrscheinlich auch dort erworben wurde. Yverdon liegt in der &#8211; \u00fcberwiegend Franz\u00f6sisch sprechenden &#8211; Welschschweiz. Der Landesname auf Franz\u00f6sisch, Deutsch und Italienisch wie auch die Beschriftungen mit<\/span> <a href=\"http:\/\/www.upu.int\/fr.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>Union postale universelle<\/strong><\/a><span style=\"color: #333333;\">\u00a0(frz.),<\/span> <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Weltpostverein\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>Weltpostverein<\/strong><\/a>\u00a0(dt.) und <strong>Unione postale universale<\/strong>\u00a0(ital.), resp. <strong>C\u00f4te r\u00e9serv\u00e9 \u00e0 l&#8217;adresse<\/strong>, <strong>Nur f\u00fcr die Adresse<\/strong>\u00a0und <strong>Lato riservato all&#8216; indirizzo<\/strong>\u00a0hat ebenfalls in der Vielsprachigkeit der Schweiz seinen Ursprung. Die Beschriftung in <strong>Rumantsch\/R\u00e4toromanisch\u00a0<\/strong>fehlt noch, da diese Sprache erst vor 80 Jahren, durch die Volksabstimmung vom <strong>20. Februar 1938<\/strong>, zur vierten Landessprache wurde.<\/li>\n<\/ul>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-499\" src=\"https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Stempel-Yverdon-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"253\" height=\"253\" srcset=\"https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Stempel-Yverdon-300x300.jpg 300w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Stempel-Yverdon-150x150.jpg 150w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Stempel-Yverdon.jpg 633w\" sizes=\"auto, (max-width: 253px) 100vw, 253px\" \/> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-498\" src=\"https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Stempel-B\u00fcnde-295x300.jpg\" alt=\"\" width=\"249\" height=\"253\" srcset=\"https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Stempel-B\u00fcnde-295x300.jpg 295w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Stempel-B\u00fcnde.jpg 625w\" sizes=\"auto, (max-width: 249px) 100vw, 249px\" \/><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"color: #333333;\">Die Postkarte weist zwei Stempel auf: Der erste Stempel rechts oben \u2013\u00a0ein <strong>Kreis-Steg-Doppelbogen-Gitter-Stempel<\/strong>, der im unteren Bogensegment das Schweizerkreuz zeigt \u2013\u00a0wurde bei der Aufgabe in Yverdon, Kanton Vaud am s\u00fcdwestlichen Ende des Lac Neuch\u00e2tel, am Mittwoch, 11. November 1896 in der 9. Stunde angebracht. Der Eingang im <strong>Zielpostamt<\/strong> B\u00fcnde (Westf. = Westfalen) wurde auf der Postkarte\u00a0am Freitag, 13. November 1896 in der Stunde zwischen 5 Uhr und 6 Uhr vormittags unten links gestempelt. Wiederum kam ein Kreis-Steg-Doppelbogen-Gitter-Stempel zum Einsatz (vgl. vorstehende Abbildungen).<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #333333;\">Es handelt sich um eine Postkarte im internationalen &#8211; also grenzquerenden &#8211; Postverkehr von der Schweiz in das Deutsche Kaiserreich (1871-1918). Beide L\u00e4nder Mitglieder des <strong>Weltpostvereins<\/strong>. Zum Stichwort Weltpostverein im Hinblick auf Postkarten schreibe ich nachfolgend noch einige Zeilen.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #333333;\">Der <strong>Adressat<\/strong> der Postkarte ist Herr Fritz Schr\u00ebyer. Es f\u00e4llt auf, dass in der Adresse ausser dem Namen, dem Ort und dem Zielland keine Strasse und auch keine Hausnummer aufgef\u00fchrt ist. In der hierf\u00fcr vorgesehenen Zeile steht ausschliesslich <strong>Cigarrenfabrik<\/strong>. Postkarten mit unvollst\u00e4ndiger Adresse w\u00fcrden heute \u2013\u00a0falls diese \u00fcberhaupt jemals ihren Adressaten erreichten \u2013 wahrscheinlich durch die hochprofessionelle Nachforschungsstelle der Deutschen Post in Marburg bearbeitet werden. 1896 war eine nicht vorhandene Strasse oder Hausnummer offensichtlich kein Problem. Einer raschen Zustellung stand dieser Mangel ebenfalls nicht im Weg. Die Postbeamten kannten damals ihren Zustellungsbezirk wie auch die Menschen, die dort wohnten, wohl genauso gut wie ihre Westentasche.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #333333;\">Ebenso ist keine <strong>Postleitzahl<\/strong> notiert worden. Postleitzahlen, damals noch zweistellig und ausschliesslich f\u00fcr den Postpaketdienst vorgesehen, wurden erstmals <strong>1941<\/strong> im Grossdeutschen Reich w\u00e4hrend des Naziregimes eingef\u00fchrt. 1944 wurde die Verwendung dieser <strong>Postleitgebietszahlen<\/strong> auch auf die Briefpost ausgedehnt. Ziel der deutschen Reichspost war eine effizientere Verarbeitung des kriegsbedingt massiv erh\u00f6hten Post- und Paketaufkommens. 1963 \u00fcbernahmen die Vereinigten Staaten von Amerika \u2013\u00a0alphanumerisch \u2013 und 1964 auch die Schweiz \u2013 vierstellig \u2013\u00a0das System der Postleitzahlen.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #333333;\">Das Zielland ist korrekt auf Franz\u00f6sisch &#8211; der internationalen Postsprache &#8211; mit <strong>Allemagne<\/strong>\u00a0angegeben. Beschriftungen wie <strong>Deutschland<\/strong>\u00a0oder was man heute zuhauf findet <strong>D-Postleitzahl<\/strong>\u00a0sind falsch. Postalisch korrekt sind <strong>DE-Postleizahl<\/strong>\u00a0(also der ISO-L\u00e4ndercode) gefolgt von der Postleitzahl und\/oder <strong>Postleitzahl und Ort<\/strong>\u00a0gefolgt von <strong>Allemagne<\/strong>\u00a0in der n\u00e4chsten Zeile.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #333333;\">Fast verdeckt durch den Eingangsstempel von B\u00fcnde erkennen wir noch einen alphanumerischen Code: <strong>VI-96 &#8211; 1,344.000<\/strong><\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"color: #333333;\">Findet ihr es nicht auch erstaunlich, dass eine Postkarte aus der Schweiz ins Deutsche Kaiserreich im Jahr <strong>1896<\/strong> eine Bef\u00f6rderungszeit unter 48 Stunden hatte? Wohlgemerkt: In einer Zeit, als noch keine Flugzeuge, geschweige denn eine regul\u00e4re <strong>Luftpost<\/strong> existierte! Die Lokomotiven der Z\u00fcge noch von Hand an Schaufel mit Kohlen befeuert wurden! Und zwischen den einzelnen L\u00e4ndern Europas Grenzen gezogen waren und die dazu geh\u00f6rigen Grenzkontrollen von den Grenzbeamten auf das penibelste durchgef\u00fchrt wurden. Von der <strong>Zensur<\/strong> ganz zu schweigen, auch wenn diese in Friedenszeiten zugegeben in der Regel locker gehandhabt wurde.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333333;\">48 Stunden f\u00fcr wie viele Kilometer? F\u00fcr was f\u00fcr eine Distanz? Nehmen wir den Atlas, den Zirkel und das Lineal hervor. Habe ich das wirklich geschrieben? In Zeiten von Google Maps? Ja, das habe ich. Versucht einmal die Luftlinie \u2013 nicht die schnellste Verbindung \u00fcber die Strasse \u2013\u00a0zwischen Yverdon und B\u00fcnde \u00fcber Google Maps herauszufinden! Mit Zirkel und Atlas bin ich da viel schneller. <strong>800 Kilometer<\/strong> as the crow flies, wie die Briten es ausdr\u00fccken w\u00fcrden. Doch die Postkarte wurde nicht mit der Taubenpost, sondern mit der Eisenbahn \u00fcber eine andere Route bef\u00f6rdert:<\/span><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"color: #333333;\">Yverdon (Aufgabe bei der Post, direkt am Bahnhof)<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #333333;\">Bern<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #333333;\">Olten<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #333333;\">Basel SBB<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #333333;\">Basel (Badischer Bahnhof, Grenzkontrolle)<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #333333;\">Karlsruhe<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #333333;\">Frankfurt<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #333333;\">dann streiten sich die Geister &#8211; Hannover oder Dortmund?<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #333333;\">L\u00f6hne<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #333333;\">B\u00fcnde in Westfalen (erst Bahnhof, dann Eingang beim Postamt)<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"color: #333333;\">Da sind wir mal rasch bei 900 Kilometern. Z\u00fcge fuhren um 1900 mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von weniger als 80 km\/h. Solange sie fahren konnten. Der Halt im Bahnhof beispielsweise war l\u00e4nger als heute, denn die Fahrg\u00e4ste hatten menschliche Bed\u00fcrfnisse: Zufuhr und Abfuhr! Toiletten in den Waggons oder rollende Restaurants? Ausschliesslich in den Luxusz\u00fcgen der<\/span> <a href=\"https:\/\/fr.wikipedia.org\/wiki\/Compagnie_des_wagons-lits\"><strong>CWL<\/strong><\/a><span style=\"color: #333333;\"> zu finden. Auch fuhren nur wenige Z\u00fcge in der Nacht und dies waren entweder transkontinentale Luxusz\u00fcge wie beispielsweise Basel-London oder Berlin-Antwerpen sowie einige wenige G\u00fcterz\u00fcge. Die Bahnh\u00f6fe und manuellen Stellwerke waren in der Nacht h\u00e4ufig nicht besetzt. Irgendwann mussten Bahnhofsvorstand und W\u00e4rter ja auch einmal essen, feiern, schlafen! Dazu kamen die Zollkontrollen, und die \u2013\u00a0wohlverstanden<strong> manuelle<\/strong> \u2013 Umsortierung der aufgelieferten Post in <strong>Olten<\/strong> und in <strong>Frankfurt<\/strong>. Noch nicht einmal 48 Stunden von Einlieferung in der Schweiz bis Zielpostamt B\u00fcnde w\u00e4ren selbst heute mit Luftpost rekordverd\u00e4chtig. Nur, der hier vorgestellte Beleg ist nur einer von Vielen! Diese kurze Bef\u00f6rderungszeit f\u00fcr Postkarten war zumindest innerhalb Westeuropas Standard! Unvorstellbar!<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333333;\">Diese rasche Zustellung \u2013 und wir k\u00f6nnen davon ausgehen, dass die Postkarte am Tag der Ankunft in B\u00fcnde ihren Empf\u00e4nger erreichte \u2013 ohne eine vollst\u00e4ndige Adresse! Weshalb dies in B\u00fcnde jedoch kein Problem darstellte, werde ich euch kurz erl\u00e4utern. Damit n\u00e4hern wir uns bei unserer Betrachtung des Beleges \u00abPostkarte von Yverdon nach B\u00fcnde\u00bb der <strong>Social Philately<\/strong>.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333333;\">Social Philately ist Neudeutsch und damit ein, wie bei all diesen Worth\u00fclsen wie Manager oder noch besser Executive Manager, Support Agent etc., ein Begriff, der nicht nur im Deutschen erst einmal einer genauen Definition bedarf. Denn unter sozialer Philatelie oder an der Gesellschaft orientierter Philatelie kann sich wohl niemand etwas vorstellen. Und diese Unsch\u00e4rfe des Begriffes ist von dessen Erfindern durchaus gewollt. Dabei verbirgt sich hinter diesem aufgeblasenen englischen Wortgebilde nichts anderes, als die <strong>Besch\u00e4ftigung mit den zeitlichen und \u00f6rtlichen Hintergr\u00fcnden der Entstehung von philatelistischen Objekten unter besonderer Ber\u00fccksichtigung der hierbei involvierten Personen<\/strong>. Diese Definition ist meine eigene. Ich habe bislang keine bessere gefunden. Auf Deutsch: Wir schauen uns nicht nur die Postkarte mit ihrem Wertstempel und Poststempel an, sondern fragen uns:<\/span><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"color: #333333;\">Wer hat wem was warum geschrieben?<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #333333;\">Wie und weshalb gelangte das Objekt von A nach B und danach in unseren Besitz?<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"color: #333333;\">Das ist keine Hexerei! Die intensive Besch\u00e4ftigung mit einem philatelistischen Objekt kann sogar sehr spannend sein. Doch wieso finden wir erst seit etwa zwei Jahren in jeder <strong>Briefmarkenzeitschrift<\/strong>, die wir lesen, mindestens einen Artikel zu diesem Thema? Ein bekanntes deutschsprachiges Briefmarken-Magazin gab im letzten Jahr sogar eine umfangreiche Sonderbeilage zu dieser Thematik aus und sah darin sogar \u00abDie Zukunft des Sammelns\u00bb. Was steckt hinter diesem <strong>Hype<\/strong>, dieser k\u00fcnstlich aufgebauschten Aufregung? Es sind aus meiner Sicht mehrere Gr\u00fcnde! Ich m\u00f6chte an dieser Stelle nicht auf alle eingehen. Nur eins m\u00f6chte ich erw\u00e4hnen: An einer <strong>Briefmarkenb\u00f6rse oder -messe<\/strong> werdet ihr viele H\u00e4ndlerst\u00e4nde sehen, deren Tische sich biegen von all den Kartons mit Belegen. Da findet ihr alles: vom Vorderteil eines Couverts mit kaum leserlichen Freistempel bis zum philatelistischen Machwerk, welches niemals postalisch bef\u00f6rdert wurde. Diese Kartons voll mit Belegen werden von unz\u00e4hligen Sammlerh\u00e4nden durchforstet. Doch verkauft werden nur wenige. Im Briefmarkenmarkt gilt ja wie auch sonst das Preisbildungs-Gesetz von Angebot und Nachfrage: Grosses Angebot wird selbst bei grosser Nachfrage keinen hohen Preis erzielen. Insbesondere bei einem Produkt, auf welches der Konsument verzichten kann, ohne subjektiv eine Qualit\u00e4tseinbusse wahrzunehmen. Frage: W\u00fcrdet ihr eine Einzelmarke im Internet f\u00fcr Euro 1,00 zzgl. Versandkosten kaufen, wenn ihr auf der Briefmarkenb\u00f6rse den gesamten Briefmarken-Jahrgang 1981 inkl. dieser Marke f\u00fcr 50 Eurocent kaufen k\u00f6nnt? Seht ihr &#8230;<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333333;\"><strong>Der Trick!<\/strong> Macht eure Allerweltsware \u2013 ich erfinde ein Beispiel: 30 Pfennig Heinemann BRD von A nach B, zeitgerechte Frankatur, sch\u00f6n gestempelt auf gut erhaltenem Couvert (wie zigtausende andere) \u2013 zu einer Seltenheit. Wie? Sprecht des Sammlers Geldb\u00f6rse \u00fcber seine Person, \u00fcber seine ganz individuelle Geschichte an. Der Sammler kommt zum Beispiel aus Legden in Westfalen. In ganz Deutschland wurden zwar zigtausende Briefe mit zeitgerechter Frankatur und mit sch\u00f6nem Stempel versandt. Von diesen haben auch zigtausende die Zeitl\u00e4ufte \u00fcberdauert. Aber Belege mit einem Stempel aus Legden gibt es nur wenige. Ich habe soeben eine philatelistische Seltenheit kreiert. Die ich selbstverst\u00e4ndlich \u2013 Angebot und Nachfrage \u2013\u00a0mit einem der Seltenheit dieses Beleges entsprechenden Preisschild versehe. Und warte nun auf einen K\u00e4ufer. Nur: wie viele Sammler, die diesen Beleg suchen und einen Bezug zu Legden haben, gibt es? Das ist bei M\u00fcnchen, Hamburg oder Ludwigshafen einfacher.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333333;\">So richtig tolle Belege, \u00fcber deren Entstehung und weiteren philatelistischen Geschichte ihr ein Buch schreiben k\u00f6nntet, solche Belege gibt es! Aber die findet ihr nur selten an einer B\u00f6rse. Naja, stimmt nicht ganz. Unsere Postkarte hat mich 50 Eurocent gekostet und ich habe ja berets einige Worte \u00fcber diese Ganzsache geschrieben ohne einen Schluss zu finden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333333;\">Also. Weiter im Text. Wir waren beim Zielpostamt B\u00fcnde in Westfalen.<\/span><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/B\u00fcnde\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>B\u00fcnde<\/strong><\/a><span style=\"color: #333333;\">, ein beschaulicher Ort in Westfalen, etwa 20 Kilometer n\u00f6rdlich von Bielefeld, zwischen Teutoburger Wald und Wiehengebirge, seit 1855 an das Eisenbahnnetz angeschlossen, war und ist Deutschlands Zentrum der Tabakindustrie und wird gern als Westfalens Rauchsalon bezeichnet. 1900 bestanden in B\u00fcnde <strong>84 Zigarrenfabriken<\/strong>, die-zusammen mit der Zulieferindustrie etwa 3&#8217;600 Mitarbeiter besch\u00e4ftigten. Bei weniger als 7&#8217;000 Einwohnern. Eine dieser Zigarrenfabriken war <strong>Bruns &amp; Schreyer<\/strong>, etwa 1870 gegr\u00fcndet mit Firmenadresse an der Klinkstrasse 29. Obschon <strong>Bruns &amp; Schreyer<\/strong> im Jahr 1893 durch den Zigarrenfabrikanten Rudolf Lenhartz mit der Zigarrenfabrik <strong>Rehing &amp; Blanck<\/strong> zusammengef\u00fchrt worden war, f\u00fchrte <strong>Bruns &amp; Schreyer<\/strong> bis 1912 die Gesch\u00e4fte unter dem eigenen Namen weiter (<strong>1<\/strong>). \u00a0Der Name Schreyer war in B\u00fcnde somit bekannt. F\u00fcr die Postbeamten im Postamt B\u00fcnde war die Zuordnung der Postkarte zur Privat- oder Firmenadresse von Fritz Schreyer \u2013 trotz \u00fcberfl\u00fcssigem Trema \u2013\u00a0wohl keine grossen Herausforderung. Die Gr\u00fcnderzeitvillen der <strong>Tabakbarone<\/strong> in B\u00fcnde k\u00f6nnen heute noch bewundert werden. B\u00fcnde ist vom Bombenhagel des <strong>Zweiten Weltkrieges<\/strong> weitgehend verschont geblieben und wurde deshalb beim <strong>Wiederaufbau<\/strong>\u00a0nicht von Architekten verschandelt, die im gr\u00f6ssenwahnsinnigen Denken des Dritten Reiches ihre Ausbildung genossen hatten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333333;\">Wir haben bislang die R\u00fcckseite der Postkarte ausgeblendet. Das wollen wir nun nachholen.<\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-506 size-large\" src=\"https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Postkarte-CH-18961111-2-1024x655.jpg\" alt=\"\" width=\"840\" height=\"537\" srcset=\"https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Postkarte-CH-18961111-2-1024x655.jpg 1024w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Postkarte-CH-18961111-2-300x192.jpg 300w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Postkarte-CH-18961111-2-768x491.jpg 768w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Postkarte-CH-18961111-2-1200x768.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 840px) 100vw, 840px\" \/><\/p>\n<p><span style=\"color: #333333;\">Zuerst die Transkription:<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333333;\"><strong>Geehrter Herr &#8211; | Habe Ihr Postmandat mit | frs 86.50 richtig erhalten und | dem H. G. Schreyer gutgeschrieben | Ich spreche Ihnen meinen | besten Dank aus und gr\u00fcsse | Achtungsvoll. | E Balhelier | Yverdon | 11.11.1896.<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333333;\">Dar\u00fcber, wer E. Balhelier war, k\u00f6nnen wir nur spekulieren. Ich habe keine belastbaren Quellen gefunden. Er bedankt sich in seinem Schreiben f\u00fcr eine Postanweisung \u00fcber Schweizer Franken 86,50. Eine <strong>Postanweisung<\/strong> ist eine internationale Geldanweisung. Der Betrag entsprach 1896 in der Schweiz etwa einem halben Monatssal\u00e4r (vor Abz\u00fcgen) eines gelernten Fabrikarbeiters und war eine Stange Geld. Dar\u00fcber hinaus d\u00fcrfte die Postanweisung f\u00fcr Fritz Schreyer in B\u00fcnde auch nicht kostenfrei abgewickelt worden sein. Gutgeschrieben hat E. Balhelier den Betrag dem Konto des Herrn G. Schreyer (ohne Trema). \u00a0Wer G. Schreyer war, weiss ich nicht, wahrscheinlich der Sohn oder Neffe des deutschen Tabakfabrikanten Fritz Schreyer. Nur, weshalb war G. Schreyer in Yverdon?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333333;\"><strong>Eine gute Frage!<\/strong> Herr Schreyer h\u00e4tte in der Schweiz im Urlaub geweilt und etwas \u00fcber seine Verh\u00e4ltnisse gelebt haben. Immerhin ist Yverdon seit der R\u00f6merzeit f\u00fcr seine schwefelhaltigen Thermalquellen bekannt. Also ein Kuraufenthalt. Eine weitere M\u00f6glichkeit w\u00e4re der Aufenthalt von Herrn Schreyer zwecks Weiterbildung.\u00a0Yverdon ist auch heute noch ein Zentrum der Schweizer Tabakindustrie. Vor 120 Jahren gab es illustre Namen wie Vautier Freres; aber auch in der n\u00e4heren Umgebung Yverdons bestanden Fabriken, z. B. in Grandson, Moudon, Vevey, Lausanne, Payerne, Avenches. Dann k\u00f6nnte der Betrag zur Deckung der Unterbringungskosten, Fahrtkosten oder \u00e4hnlichem gedient haben. Die Schweiz war schon vor 120 Jahren keine preiswerte Destination. Vielleicht wurde bei der Planung der Reise des G. Schreyer diesem Faktor zu wenig Beachtung geschenkt.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #333333;\">__________<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333333;\"><strong>Nachtrag<\/strong>: Hier noch der angek\u00fcndigte Nachtrag zum Stichwort <strong>Weltpostverein<\/strong>. Im September 1874 kamen in Bern Vertreter der Postanstalten von 22 Staaten zum ersten internationalen Postkongress zusammen und gr\u00fcndeten den <strong>Allgemeinen Postverein<\/strong>. Ziel war die Regelung der Zusammenarbeit der Postanstalten und die Rahmenbedingungen des <strong>internationalen Postverkehrs<\/strong>, wie zum Beispiel der Ausgleich gegenseitiger finanzieller Anspr\u00fcche aus der Post- und Paketbef\u00f6rderung. Diese beruhten zuvor auf einigen bilateralen Vertr\u00e4gen, was die Postbef\u00f6rderung \u00fcber Landesgrenzen hinaus massiv erschwerte. Auf dem zweiten internationalen Postkongress 1878 in Paris wurde aus dem <strong>Allgemeinen Postverein<\/strong> der <strong>Weltpostverein<\/strong>, der seit 1947 eine Sonderorganisation innerhalb der <strong>UNO<\/strong> ist.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333333;\">Bis dann<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #333333;\">__________<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333333;\"><strong>Anmerkung<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333333;\">(<strong>1<\/strong>) Quelle: Stiftung Westf\u00e4lisches Wirtschaftsarchiv<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333333;\"><strong>#saarphila #saarphilatelie<\/strong><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hallo Auf meinen Beitrag Die Saarschleife bei Mettlach (I)\u00a0erhielt ich von Thomas K. aus Saarwellingen eine R\u00fcckmeldung. Ihn erstaune die rasche postalische Bef\u00f6rderung von Postkarten vor etwa 80 Jahren. Gerne nehme ich dieses Zuspiel auf und vertiefe das Thema Postlaufzeit anhand eines \u2013 Schweizer\/Deutschen \u2013\u00a0Beispiels aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert. 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