{"id":5042,"date":"2020-03-29T14:52:53","date_gmt":"2020-03-29T12:52:53","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.saarphilatelie.com\/?p=5042"},"modified":"2024-10-06T13:08:02","modified_gmt":"2024-10-06T11:08:02","slug":"belege-v-eine-ansichtskarte-mit-fragezeichen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archive.saarphila.de\/?p=5042","title":{"rendered":"Belege (VII) &#8211; Eine Ansichtskarte mit Fragezeichen"},"content":{"rendered":"<p>Hallo<\/p>\n<p>Ich stelle euch in diesem Beitrag einen sehr interessanten Beleg aus der Sammlung zur <strong>Postgeschichte der Saar-Region<\/strong> vor.<\/p>\n<p>Im Sommer 1953 unternimmt ein belgisches Paar eine Urlaubsreise in das inzwischen souver\u00e4ne Saarland. In Saarbr\u00fccken kauft es eine Ansichtskarte mit einem Foto der Ludwigskirche . Diese sendet das Paar, versehen mit ein paar Zeilen und korrekt mit 18 Francs frankiert von Saarbr\u00fccken an Freunde daheim in Li\u00e9ge.<\/p>\n<p>Soweit ein ganz normaler Vorgang. Nachfolgend Scans von R\u00fcck- sowie Vorderseite der Ansichtskarte.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-5048\" src=\"https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/19530628-Beleg-Saarbr\u00fccken-1a-1024x664.jpg\" alt=\"\" width=\"840\" height=\"545\" srcset=\"https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/19530628-Beleg-Saarbr\u00fccken-1a-1024x664.jpg 1024w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/19530628-Beleg-Saarbr\u00fccken-1a-300x194.jpg 300w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/19530628-Beleg-Saarbr\u00fccken-1a-768x498.jpg 768w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/19530628-Beleg-Saarbr\u00fccken-1a-1536x996.jpg 1536w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/19530628-Beleg-Saarbr\u00fccken-1a-2048x1328.jpg 2048w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/19530628-Beleg-Saarbr\u00fccken-1a-1200x778.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 840px) 100vw, 840px\" \/><\/p>\n<figure id=\"attachment_5049\" aria-describedby=\"caption-attachment-5049\" style=\"width: 840px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-5049 size-large\" src=\"https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/19530628-Beleg-Saarbr\u00fccken-1b-1024x662.jpg\" alt=\"\" width=\"840\" height=\"543\" srcset=\"https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/19530628-Beleg-Saarbr\u00fccken-1b-1024x662.jpg 1024w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/19530628-Beleg-Saarbr\u00fccken-1b-300x194.jpg 300w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/19530628-Beleg-Saarbr\u00fccken-1b-768x497.jpg 768w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/19530628-Beleg-Saarbr\u00fccken-1b-1536x993.jpg 1536w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/19530628-Beleg-Saarbr\u00fccken-1b-2048x1325.jpg 2048w, https:\/\/archive.saarphila.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/19530628-Beleg-Saarbr\u00fccken-1b-1200x776.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 840px) 100vw, 840px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-5049\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9Sammlung Montclair<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Text<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Chers Amis Le 28\/6\/53 \u00a0 | Un bonjour de Saarbrucken | nous avons un temps superbe | pour notre premier voyage | en Saarre | Nanie et Jules | on voyage en Sarre avec la carte | d&#8217;identit\u00e9 Belge sans autres documents<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>\u00dcbersetzung<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Liebe Freunde Der 28\/6\/53 | Hallo aus Saarbr\u00fccken | wir haben sch\u00f6nes Wetter | f\u00fcr unsere erste Reise | ins Saarland | Nanie und Jules | wir reisen in das Saarland [allein] mit der belgischen Identit\u00e4tskarte ohne andere Dokumente<\/p><\/blockquote>\n<p>Interessant ist das Erstaunen der belgischen Touristen \u00fcber das formalit\u00e4tslose Reisen im inzwischen souver\u00e4nen Saarland. Alles, was sie brauchen ist ihre belgische Identit\u00e4tskarte. Das visumsfreie Reisen in ihre Nachbarl\u00e4nder Frankreich und die Niederlande ist f\u00fcr Belgier eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Woher r\u00fchrt dann das sogar schriftlich fixierte Erstaunen? Das souver\u00e4ne Saarland hatte bis Kriegsende 1945 zum Deutschen Reich geh\u00f6rt und f\u00fcr Reisen in das Deutsche Reich wie auch in die gerade erst von den Alliierten Westm\u00e4chten gegr\u00fcndete, nicht souver\u00e4ne Bundesrepublik ben\u00f6tigten belgische Touristen \u00fcber Alter 15 Jahre Reisepass und Visum (vgl. Anm.\u00a0<strong>1<\/strong>;\u00a0diese Regelung wird am 1. \u00a0Juli 1953, also drei Tage nach Aufgabe dieser Ansichtskarte in Saarbr\u00fccken aufgehoben). Da unsere beiden belgischen Touristen erstmals das Saarland bereisen, ist ihnen die Unabh\u00e4ngigkeit des Saarlandes wahrscheinlich bekannt, die genauen Auswirkungen derselben jedoch nicht bewusst gewesen. Nun schreiben sie ihren Freunden in Belgien: &#8222;Schaut, Saarland ist nicht gleich Deutschland. Hier ist alles anders und selbst das Reisen funktioniert ohne grosse Formalit\u00e4ten.&#8220;<\/p>\n<p>Schon vor dem Hinterrund der visumsfreien Einreise hat dieser Beleg einen Platz in der Sammlung zur <strong>Postgeschichte der Saar-Region<\/strong> verdient.<\/p>\n<p>Das wirklich spannende Detail dieses Beleges ist nicht der Text, sondern philatelistischer Natur. Es ist die \u2013 sehr aussergew\u00f6hnliche \u2013\u00a0<strong>Frankatur<\/strong>. Obschon die <strong>Auslandspostkarte<\/strong> mit 18 Franc korrekt frankiert ist (<strong>2<\/strong>), sind es die verwendeten Briefmarken nicht. Verklebt wurden in Mischfrankatur zwei <strong>franz\u00f6sische<\/strong> Briefmarken aus der Freimarkenserie <a href=\"https:\/\/fr.wikipedia.org\/wiki\/Marianne_de_Gandon\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>Marianne de Gandon<\/strong><\/a> (<strong>3<\/strong>); eine Marke zu 8 Franc (Yt FR 810) und eine zu 10 Franc (Yt FR 811). Die Marianne, dargestellt als Frauenkopf mit phrygischer M\u00fctze ist die franz\u00f6sische Nationalfigur \u00e4hnlich der Schweizer Helvetia oder der bayerischen Bavaria. Gleichzeitig ist die Marianne eine Allegorie f\u00fcr die R\u00e9volution fran\u00e7aise.<\/p>\n<p>Mir stellen sich gleich zwei komplexe Fragen:<\/p>\n<ul>\n<li>Weshalb frankiert ein belgisches Touristenp\u00e4rchen im Saarland eine saarl\u00e4ndische Ansichtskarte mit franz\u00f6sischen Briefmarken? Diese wurden meines Wissens nach nicht in saarl\u00e4ndischen Post\u00e4mtern verkauft. Wie gelangten diese Briefmarken also in deren Besitz?<\/li>\n<li>Wieso wird eine ung\u00fcltige &#8211; wenn auch portogerechte &#8211; Frankatur vom Postamt Saarbr\u00fccken am Abend (nach 20:00 Uhr) des 28. Juni 1953 anstandslos mit einem Maschinenwerbestempel entwertet und bef\u00f6rdert (ich habe diesen Beleg in Belgien erstanden).<\/li>\n<\/ul>\n<p>\u00dcber diese Fragen l\u00e4sst sich herrlich spekulieren. V\u00f6llig befriedigende Antworten werden sich wohl nicht finden.<\/p>\n<p>Bis dann<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">__________<\/p>\n<p><strong>Anmerkungen<\/strong><\/p>\n<p>(<strong>1<\/strong>) F\u00fcr die Bundesrepublik galt von ihrer Gr\u00fcndung bis zum 1. Juli 1953 die w\u00e4hrend des Nationalsozialismus&#8216; eingef\u00fchrte\u00a0Verordnung \u00fcber den Pass- und Sichtvermerkszwang sowie \u00fcber den Ausweiszwang vom 10. September 1939 (RGBl.\u00a0I S.\u00a01739); versch\u00e4rft durch Verordnung vom 20. Juli 1940 (RGBl.\u00a0I S.\u00a01008)<\/p>\n<p>(<strong>2<\/strong>) Portoperiode 1. Mai 1951 bis 5. Juli 1959<\/p>\n<p>(<strong>3<\/strong>) Die vom Graphiker <a href=\"https:\/\/fr.wikipedia.org\/wiki\/Pierre_Gandon\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>Pierre Gandon<\/strong><\/a> (1899-1990) entworfene und vom Graveur<strong> Henri Cortot<\/strong> (1892-1950) gestochene Marianne wurde im Zeitraum 1945-1955 als Bildmotiv franz\u00f6sischer Briefmarken verwendet. Henri Cortot ist uns Saarlandsammlern als Graveur der Bildmotive der Werte zu 5, 8, 20 und 30 Pfennig (SP3, SP4, SP8, SP10) der Briefmarkenausgabe <strong>Wappen und Dichter<\/strong> bekannt<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">__________<\/p>\n<p>Folgt mir auf <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/SaarPhilatelist\"><b>Facebook<\/b><\/a> und ihr seid immer auf dem Laufenden.<\/p>\n<p><strong>#saarphila #saarphilatelie<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hallo Ich stelle euch in diesem Beitrag einen sehr interessanten Beleg aus der Sammlung zur Postgeschichte der Saar-Region vor. Im Sommer 1953 unternimmt ein belgisches Paar eine Urlaubsreise in das inzwischen souver\u00e4ne Saarland. In Saarbr\u00fccken kauft es eine Ansichtskarte mit einem Foto der Ludwigskirche . 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